Big Brother Award 2021 für Hörl wegen Reaktion auf PCR-Datenleak

Der Negativ-Datenschutz-Award wurde am Montagabend in fünf Kategorien vergeben. Neben dem Tiroler Nationalratsabgeordneten wurden unter anderem auch die IT-Riesen Facebook und Microsoft „ausgezeichnet“.

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Dass seine Daten an die Öffentlichkeit gelangt waren, war für Hörl offenbar nicht problematisch.
© EXPA/ERICH SPIESS

Innsbruck, Wien – Franz Hörl ist am Montagabend im Wiener Rabehof mit einem Big Brother Award „ausgezeichnet“ worden. Der Tiroler Nationalratsabgeordnete (ÖVP) erhielt den Negativ-Datenschutz-Award für seine Reaktion in der Causa um geleakte PCR-Testergebnisse im Zusammenhang mit der Firma HG Lab Truck. Mehr als 24.000 positive PCR-Testergebnisse von Jänner bis Juni waren im Spätsommer an die Öffentlichkeit gelangt, darunter auch jene von Hörl. Dieser hatte damit jedoch offenbar kein Problem.

„Fassungslos ist man, wenn nun von einem Vertreter des Volkes im Zuge eines solchen Datenskandals statt der Forderung nach Kontrolle und dem Ruf nach sicherer Verwahrung von unseren Gesundheitsdaten, dieses Datenleck verharmlost wird – das sei für ihn kein Problem, er habe keine Geheimnisse, so Hörl“, begründete die Jury ihre Entscheidung in dieser Kategorie.

Kategorie „Kommunikation und Marketing“

In der Kategorie „Kommunikation und Marketing“ heißt der Preisträger 2021 – wieder einmal – Facebook. Nach entsprechenden „Auszeichnungen“ 2017 und 2018 wurde der Social Media-Konzern heuer mit dem Award bedacht, weil das Unternehmen ein Forschungsprojekt ausgesperrt habe, das sich der Transparenz von politischer Werbung auf Facebook gewidmet habe.

Dabei habe das der IT-Riese damit begründet, dass die Forscherinnen und Forscher ohne Facebooks Erlaubnis automatisch Daten abgegriffen und gesammelt hätten, was gegen die Nutzungsbedingungen des Netzwerkes verstoße und den Datenschutz verletze, hieß es in der Begründung der Big Brother Award-Jury. Die Awards werden alljährlich in fünf Kategorien von q/uintessenz, Verein zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter, in Kooperation mit Privacy International und österreichischen Datenschützern vergeben.

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Kategorie „Business und Finanzen“

In der Kategorie „Business und Finanzen“ wurde Microsoft mit einem Award bedacht: „Auch Microsoft, das mit Outlook, Teams und anderen Produkten viele Arten der betrieblichen Kommunikation und Zusammenarbeit abdeckt, ermöglicht exzessive Auswertungen. Mit Microsoft ‚Workplace Analytics‘ können Firmen analysieren, wie viel Zeit Beschäftigte mit Videokonferenzen, Besprechungen oder E-Mail-Versand verbringen - innerhalb und außerhalb der Arbeitszeit“, hieß es in der Begründung. Delve, ein anderes Produkt von Microsoft, nutze diese Daten für personalisierte Empfehlungen. „Plattformen wie Microsoft Teams oder Slack können Kommunikation für bestimmte Zwecke durch Erweiterungen von Drittherstellern in einer Art strukturieren, die sie zu Systemen der Steuerung und Kontrolle von Abläufen und Arbeitstätigkeiten macht“, hieß es.

Kategorie „Behörden und Verwaltung“

In der Kategorie „Behörden und Verwaltung“ gerieten beispielsweise Institute der TU Wien ins Visier der Datenschützer. Als Begründung wurden Online-Prüfungen genannt, für die auf der TU einige Vorgaben zu erfüllen waren: stabile Internetverbindung plus zwei Endgeräte mit Kamera (Laptop/Desktop plus Tablet/Smartphone) und ein Raum, in dem es möglich ist, sich für die Dauer der Prüfung ungestört aufzuhalten und sich auf die Prüfung konzentrieren zu können. Auf den Kameras sollte nicht nur der Schreibtisch, sondern auch der Großteil des privaten Zimmers und die Tür für die Kameras zu überblicken sein.

Kategorie „Weltweiten Datenhunger“

Der Award für „Weltweiten Datenhunger“ geht an die „EUro Cloud“: Das Projekt habe die digitale Souveränität Europas zum Ziel und sei mit Steuergeld gefördert. Neben namhaften europäischen Firmen seien aber auch Google, Microsoft und Amazon AWS sowie das auf die Analyse großer Datenmengen spezialisierte Unternehmen Palantir an Bord, dem enge Kooperationen zu den US.-Geheimdiensten CIA und NSA sowie zum US-Miliätr nachgesagt würden. „Vertreter von Palantir versichern, dass auch von ihrem Unternehmen europäische Werte berücksichtigt und Datenschutzbestimmungen eingehalten würden. So manche Beobachter bezweifeln diese Aussagen allerdings vehement“, hieß es in der Begründung. (TT.com, APA)


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