Bank-Austria-Ökonom Bruckbauer über Covid: „Wichtig, aber nicht bestimmend“

Die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich entkoppelt sich zusehends von der Corona-Lage, sagt Stefan Bruckbauer, Chef-Ökonom der Bank Austria.

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Ökonom Stefan Bruckbauer rechnet für 2022 mit einem Wachstum von 6,5 Prozent in Tirol.
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Von Catharina Oblasser

Lavant – Während auf der einen Seite die Corona-Zahlen steigen und auch in Tirol bald strengere Beschränkungen gelten, sieht die wirtschaftliche Lage nicht so schlecht aus. Stefan Bruckbauer, Chef-Ökonom der Bank Austria, rechnet für 2022 mit guten Zahlen, sowohl für Gesamt-Österreich als auch für Tirol.

„Im heurigen Jahr liegt Tirol mit einem Wachstum von zwei Prozent noch hinter dem Österreich-Schnitt, der vier Prozent beträgt“, sagt Bruckbauer. „2022 dürfte Tirol mit den 6,5 Prozent vorne liegen, denn für ganz Österreich werden nur 5,1 Prozent Wachstum erwartet.“

Das Corona-Thema ist für den Experten weniger beherrschend als noch zu Jahresbeginn. „Vorausgesetzt, es taucht nicht eine neue Virus-Variante auf, die man noch nicht im Griff hat“, schränkt er ein. „Natürlich ist Covid wichtig, aber es ist nicht mehr bestimmend. Der Zusammenhang zwischen Virus und wirtschaftlicher Entwicklung wird immer geringer.“

Daran ändert auch die eher niedrige Impfquote in Österreich (aktuell ca. 63 Prozent) nichts. Aber rund 85 Prozent der über 50-Jährigen seien geimpft, das sei wesentlich, so der Wirtschaftsspezialist.

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Für die derzeit sehr hohen Energiepreise gibt es laut Bruckbauer keine zufriedenstellende Erklärung. „Die Welt verbraucht ja nicht mehr Energie als vor zwei Jahren. Ich denke, dass sich die Preise wieder auf einem normalen Niveau einpendeln werden.“

Der Tourismus hat noch Luft nach oben. Das heißt aber auch, dass er Träger des Wachstums sein könnte. Während sich Bau und Industrie in Tirol schon erholt hätten, sei das im Tourismus noch ausständig. Der Unsicherheitsfaktor: Gerade der Wintertourismus lebt von Gästen aus dem Ausland. Allfällige Reisewarnungen oder andere Restriktionen könnten sich stark auswirken.

Den Arbeitskräftemangel in diesem Bereich beurteilt Bruckbauer vor dem Hintergrund von niedrigen Geburtenzahlen und gesellschaftlichem Wandel. „Billige Saisonkräfte, die man holen kann, gibt es kaum noch, auch nicht in Osteuropa. Diese Quelle ist erschöpft.“ Eine Möglichkeit wäre, auf Qualität und höhere Produktivität abzuzielen, dann könne man auch bessere Löhne zahlen.


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