Leleux und Strosser im Haus der Musik: Die hohe französische Schule

Anregender Auftakt der Kammerkonzerte mit François Leleux und Emmanuel Strosser.

  • Artikel
  • Diskussion
Oboe und Klavier, eine nicht alltägliche kammermusikalische Zusammensetzung. François Leleux (l.) und Emmanuel Strosser gastierten im Haus der Musik in Innsbruck.
© Meister- und Kammerkonzerte

Von Markus Schramek

Innsbruck – Er ist wieder da, wie eine Mensch gebliebene Erinnerung an die gute alte Konzert-Zeit. Erst 2,5 Jahre ist sein letzter Auftritt in Innsbruck her, vor Corona, gefühlt eine Ewigkeit. Jedenfalls präsentiert sich François Leleux allem pandemischen Unbill zum Trotz um keinen Deut verändert.

Beim ersten Kammerkonzert der Saison vorgestern im rappelvollen, großteils unmaskiert besuchten Haus der Musik (echt spooky, wenn gleichzeitig die Corona-Inzidenz durchs Dach schießt) besticht der französische Meister-Oboist, wie man es von ihm erwarten darf, mit Temperament, Spielwitz und einer technischen Beherrschung seines Arbeitsgeräts, die uns Zuhörer nach Luft schnappen lässt. Wahre Notenkaskaden entlockt der Interpret seinem Blasinstrument, erstaunlich, wo er die Puste dafür hernimmt.

Eine Auswahl durch und durch französischer Provenienz haben Leleux und sein kongenialer Begleiter am Steinway-Flügel, Emmanuel Strosser, auf den Notenständern liegen. Im Zusammenwirken tut sich eine enorme klangliche Breite auf, wenn man bedenkt, dass hier bloß ein Zweiergespann musiziert.

Wie eine angeregte, lustvolle Landpartie klingt Camille Saint-Saëns Oboensonate (op. 166), ein Spätwerk des 1921 verstorbenen Komponisten, das halbwegs erprobte Ohren vor keine gröberen Probleme stellt.

3 x Futterkutter-Kochbuch zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Claude Debussys „Rhapsodie für Altsaxophon und Orchester“, ein Auftragswerk aus dem Jahr 1903 für eine Mäzenin aus Übersee, erklingt in bearbeiteter Version. Saxofon ist definitiv keines im Saal, Leleux greift stattdessen zum Englischhorn, einem (tieferen) Verwandten der Oboe. Debussy würde zustimmend nicken. Er mochte das Saxofon so gar nicht als vollwertig anerkennen.

Anspruchsvoll, weil experimentell, ja improvisiert ans Hörorgan dringend, geben sich Beiträge neueren Datums wie die „Sonate für Oboe und Klavier“ von Thierry Pécou, einem Freund und Studienkollegen der beiden Vortragenden. „Bei Thierry klingt alles langsam und gemächlich, er spricht auch so“, witzelt Leleux.

Final und als Draufgabe erklingt noch zweimal Musik von Francis Poulenc. Alors – vive la France!


Kommentieren


Schlagworte