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TT-Analyse: Unendliche Geschichte vom Ende der Zeitumstellung

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Für Langschläfer ist morgen der Tag des Jahres gekommen, endlich können sie ohne schlechtes Gewissen eine Stunde länger schlafen. Das ist einer der wenigen positiven Aspekte der Zeitumstellung. Nun wurden drei Jahre verschlafen, um eine Reform ernsthaft voranzutreiben. Schon 2018 wurde von der EU das Ende verkündet. Was sinnvoll wäre, wie sich in den kommenden Tagen zeigen wird: Die innere Uhr muss sich umstellen, Kleinkinder werden ihre Eltern statt um 6 Uhr um 5 Uhr aus den Federn reißen und Haus- sowie Nutztiere wurden am besten schon in den vergangenen Tagen langsam an den neuen Tagesrhythmus angepasst. Ganz zu schweigen vom Blick in die Zukunft, wenn Mitte Dezember vor 16.30 Uhr die Sonne in Tirol untergeht.

Eigentlich hätte bereits 2019 zum letzten Mal an der Uhr gedreht werden sollen, das wurde auf 2021 verschoben, doch von einer Entscheidung, ob dauerhafte Sommer- oder Winterzeit, sind die 27 Mitgliedsstaaten immer noch weit entfernt. Die Krux begann mit der EU-weiten Umfrage, die zwar eine überwältigende Mehrheit für die Abschaffung brachte, an der aber nicht einmal 1 Prozent der EU-Bevölkerung teilnahm. Kein Wunder, die Internetseite für die Abstimmung stürzte immer wieder ab und war viel zu kompliziert programmiert.

Trotzdem nutzten viele Politiker, angefangen vom damaligen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, das Ergebnis für Versprechungen. Das machte Hoffnung auf eine baldige Lösung, war aber viel Lärm um nichts. Dass sich die Länder bis jetzt nicht einigen konnten, war allerdings abzusehen. Nur zwei Beispiele: Bei einer Einigung auf die Winterzeit würden in Polen im Sommer um 3 Uhr in der Früh die Vögel zwitschern. Käme die Sommerzeit, würde es in Spanien im Winter erst um 10 Uhr hell werden.

Es sieht so aus, so als ob auch die Entscheidungsträger bei der Suche nach einer einheitlichen Lösung im Dunkeln tappen. Eines ist aber sicher: Die nächste Zeitumstellung kommt – genauso wie die Diskussion darüber – bestimmt. Auf jeden Fall 2022, vermutlich auch 2023 oder es wird überhaupt eine unendliche Geschichte.

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