Tirol zieht Covid-Zügel an, Platter rügt FPÖ als „verantwortungslos“

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) verteidigt die Verschärfungen in Tirol, die bis auf die Maskenpflicht die Geimpften nicht treffen. Er plädiert dafür, die strengeren Regeln auch bundesweit einzuführen. Nächsten Freitag findet erneut ein Bund-Länder-Gipfel statt.

  • Artikel
  • Diskussion (17)
2 G in der Nachtgastro und bei Großveranstaltungen: Das Land folgt jetzt dem Beispiel der Steiermark.
© imago

Von Peter Nindler

Innsbruck – Das dynamische Infektionsgeschehen zwingt Tirol zu strengeren Corona-Maßnahmen ab 8. November. Gestern wurden wieder 357 Neuansteckungen gemeldet. „Die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass wir in der Pandemie flexibel reagieren müssen“, sagt LH Günther Platter im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

Erst vor einer Woche wurde bekanntlich der Corona-Stufenplan erweitert, der die Auslastung der Intensivstationen als Grundlage hat. Daran würden sich die Verschärfungen in Tirol wie die 2-G-Regel in der Nachtgastronomie, bei Veranstaltungen ab 500 Personen, die generelle FFP2-Masken-Pflicht im Handel oder die 2,5-G-Regel (geimpft, genesen oder PCR-Test) im Gesundheits- bzw. Pflegebereich ebenfalls orientieren, fügt Platter hinzu.

Derzeit ist die Situation bei der intensivmedizinischen Versorgung von Corona-Patienten keinesfalls dramatisch, aber Platter spricht davon, „dass es wegen der doch deutlich steigenden Infektionszahlen zu einem Nachzieheffekt kommen wird“. Experten rechnen Ende nächster Woche in Tirol mit einem Anstieg von 20 auf 30 Erkrankte auf den Intensivstationen.

Günther Platter/ÖVP (Landeshauptmann): „Wir müssen gegensteuern, damit in Spitälern Routine-Operationen nicht verschoben werden müssen.“
© TT/Rudy De Moor

Mit Ausnahme der Maskenpflicht, die Platter als gelindestes Mittel bezeichnet, treffen die neuen Corona-Vorschriften die Ungeimpften. „Zugegeben, mit den unterschiedlichen Masken-Bestimmungen war ich ohnehin nicht glücklich.“ Natürlich sei auch er, so der Landeshauptmann, mit Fragen konfrontiert, warum trotz der Impfung wieder nachgeschärft werden müsse. „Die Impfung wirkt und ist unbedingt notwendig. Trotzdem kann man sich infizieren, doch großteils kommt es zu milden Krankheitsverläufen.“

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Deshalb hat Platter kein Verständnis dafür, dass die (Tiroler) FPÖ der Landesregierung Impfpropaganda vorwirft. „Die FPÖ handelt verantwortungslos und nur aus parteipolitischen Motiven, weil sie sich so die Stimmen von Nichtgeimpften und Impfgegnern erhofft.“ Doch in einer Pandemie dürfe es keine parteipolitischen Spielchen geben.

Wie Tirol hat am Freitag Oberösterreich strengere Maßnahmen erlassen. Platter, er ist augenblicklich Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz, erwartet, dass die anderen Länder folgen werden. „Ich bin in enger Abstimmung mit meinen Kollegen und plädiere für eine bundeseinheitliche Vorgangsweise.“ Spätestens nächsten Freitag wird das bei einem Bund-Länder-Gipfel mit den Landeschefs und der Bundesregierung Thema sein.

PCR-Tests künftig forciert

Um den allenfalls vermehrten Bedarf an PCR-Testungen durch die verschärften Maßnahmen sowie 3 G am Arbeitsplatz zu bewältigen, kündigt Gesundheits-LR Annette Leja (VP) neben den Screeningstationen im Laufe des November zusätzliche 200 PCR-Selbsttestboxen im Land an. Gleichzeitig will die Landesregierung einen Kurswechsel vollziehen und künftig den Schwerpunkt auf PCR-Tests statt Antigen-Testungen legen.


AK fordert Corona-Anpassung

Die Corona-Pandemie war gestern zentraler Punkt bei der Vollversammlung der Tiroler Arbeiterkammer. Allein bis Ende September wurde österreichweit in mehr als 13.000 Fällen eine Berufskrankheit unter dem Titel Covid-19 angezeigt. „Doch all jene 3870 Fälle, die bislang anerkannt wurden, betrafen ausschließlich Arbeitnehmer in jenen Unternehmen, bei denen Infektionskrankheiten auf Basis der Liste der Berufskrankheiten auch als Berufskrankheit anerkannt werden“, wundert sich AK-Präsident Erwin Zangerl. Die AK fordert deshalb vom zuständigen Ministerium einen Vorschlag, mit dem die derzeit gültige „Liste der Berufskrankheiten“ entsprechend erweitert wird.


Kommentieren


Schlagworte