Zusammenstöße in Padua bei Bolsonaro-Besuch , Journalist geschlagen

Laut der brasilianischen Zeitung O Globo wurde Journalist Leonardo Monteiro von Bolsonaros Sicherheitsleuten angegriffen. Er habe gefragt, warum der Präsident am Sonntag nicht an den G20-Veranstaltungen teilgenommen habe. Es war nicht der einzige Vorfall beim Italien-Besuch des brasilianischen Präsidenten.

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Das Wochenende in Rom war für den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro schlecht verlaufen.
© EVARISTO SA

Rom – Bei einem Besuch des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro in der norditalienischen Stadt Padua ist es am Montagnachmittag zu Zusammenstößen gekommen. Rund 500 linksgerichtete Anarchisten versammelten sich vor der Basilika des Heiligen Antons, dem Schutzpatron Paduas, die Bolsonaro besuchte, und bewarfen die Polizisten mit Gegenständen. Die Sicherheitskräfte reagierten mit Wasserwerfern, um die Demonstranten zu vertreiben.

Zu Protesten war es auch am Montagvormittag in der norditalienischen Kleinstadt Anguillara nahe Padua anlässlich eines Besuchs Bolsonaros gekommen. Alessandra Buoso, Bürgermeisterin der Gemeinde, aus der Bolsonaros Urgroßeltern Ende des 19. Jahrhunderts nach Brasilien emigriert waren, verlieh dem Präsidenten die Ehrenbürgerschaft. Bolsonaro, der in der Ortschaft einige Angehörige traf, war am vergangenen Wochenende zum G20-Gipfel in Rom nach Italien gereist.

Sicherheitsleute sollen Journalisten geschlagen haben

Sicherheitspersonal des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro ist laut Medienberichten gewaltsam gegen Journalisten vorgegangen, die über seine Reise nach Rom zum G20-Gipfel berichteten. Laut einem Zeitungsartikel haben sie einen TV-Journalisten in den Magen geschlagen. Ein Video zeigt chaotische Szenen mit Sicherheitskräften, die die Presse bedrängen und Bolsonaro-Anhänger, die Journalisten beschimpfen.

Laut der brasilianischen Zeitung O Globo wurde Leonardo Monteiro vom Fernsehsenders TV Globo von Bolsonaros Sicherheitsleuten angegriffen. Er habe gefragt, warum der Präsident am Sonntag nicht an den G20-Veranstaltungen teilgenommen habe.

Das Wochenende in Rom war für Bolsonaro schlecht verlaufen. Videos von G20-Veranstaltungen zeigten ihn als isolierte Figur. Auf dem Foto, das am Trevi-Brunnen mit den Staats- und Regierungschefs aufgenommen wurde, fehlte er. In den Straßen Roms wurde er lautstark für seinen Umgang mit der Pandemie in seinem Land kritisiert und von Kritikern als "Völkermörder" bezeichnet. Mehr als 600.000 Menschen sind in Brasilien an COVID-19 gestorben, die zweithöchste Zahl weltweit nach den Vereinigten Staaten.

Unklar ist bisher noch, ob es sich um italienische oder brasilianische Sicherheitskräfte handelt. Das Büro Bolsonaros und das Presseteam des G20-Gipfels haben laut Reuters bisher noch nicht auf Anfragen reagiert.

Bolsonaro landete am Montag auf dem Flughafen Venedig und erreichte dann Anguillara. Wegen der Proteste gegen den brasilianischen Präsidenten fand die Verleihung der Ehrenbürgerschaft nicht im Rathaus, wie ursprünglich geplant, sondern in einer Villa, in der Bolsonaro an einem Mittagessen mit den Stadträten teilnahm. "Ich bin sehr bewegt, die Ehrenbürgerschaft von der Ortschaft zu erhalten, aus der meine Ahnen nach Brasilien ausgewandert sind", kommentierte der brasilianische Präsident.

Proteste gegen Ehrenbürgerschaft

Dutzende Menschen warteten unter dem Regen auf dem Hauptplatz der Ortschaft, um gegen Bolsonaro zu protestieren. "Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft ist unangemessen, weil Bolsonaros Positionen nicht den Werten unserer Verfassung entsprechen. Wir teilen nicht seine Meinung über Homosexuelle, Frauen und Amazonien, ein Gebiet, das Eigentum aller bleiben muss", so Antonio Spada, Stadtratsmitglied der Opposition in Anguillara.

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Unter den Demonstranten, die auf dem Hauptplatz Anguillaras auf Bolsonaro warteten, zählte auch eine kleine Gruppe von Brasilianern aus verschiedenen Teilen der Region Venetien, die im Gegensatz zu den anderen Demonstranten ihre Nähe zum Präsidenten zeigen wollten. Einige von ihnen trugen die grün-goldene Flagge Brasiliens.

Bolsonaro setzt am Dienstag seine Italien-Reise mit einem Besuch der toskanischen Stadt Pistoia fort. Hier wird er an einer Zeremonie zu Ehren brasilianischer Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg aufseiten der Alliierten in Italien kämpften und gefallen sind. Linksparteien in der Toskana betonten, Bolsonaro sei nicht willkommen. Auch in Pistoia sind Proteste gegen den brasilianischen Präsidenten geplant. (APA, Reuters)


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