Salzburg bei „wiederauferstandenem" VfL mit erstem Matchball

Ein Sieg in Wolfsburg würde Salzburg „mit breiter Brust" bereits ins Achtelfinale bringen. Coach Jaissle warnte vor „anderem Gegner" als beim 3:1-Sieg im Heimspiel.

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Chukwubuike Junior Adamu, Chef-Trainer Matthias Jaissle und Nicolas Seiwald (FC Red Bull Salzburg/v.li).
© APA/Krugfoto

Wolfsburg – Der erstmalige Aufstieg in die K.o.-Phase der Champions League scheint für Fußball-Serienmeister Red Bull Salzburg zum Greifen nah: Mit einem Sieg im vierten Gruppenspiel am Dienstag (18.45 Uhr/live Sky) beim VfL Wolfsburg wäre das Achtelfinale und damit ein clubhistorischer Erfolg fix. Doch auch angesichts der „Wiederauferstehung" des VfL warnte Trainer Matthias Jaissle vor Euphorie: „Ich bin mir sicher, dass wir auf eine ganz andere Wolfsburger Mannschaft treffen."

Es klingt verlockend: Laut UEFA schafften bisher Teams, die 7 Punkte nach 3 Gruppenspielen am Konto hatten, mit einer Wahrscheinlichkeit von 74 Prozent den Sprung ins Achtelfinale. Das mag zwar alle Fans zu Träumereien einladen, Jaissle will sich mit solchen Rechenspielereien aber nicht beschäftigen. „Wir sind bisher ganz gut damit gefahren, dass wir nicht anfangen zu rechnen, sondern uns darauf konzentrieren, unsere Art des Fußballs auf den Platz zu bringen und frech und mutig aufzutreten", sagte Jaissle – und das sei seinen Burschen bisher "prima" gelungen. "Die Tabellensituation haben wir zwar im Hinterkopf, mehr aber auch nicht", bestätigte Innenverteidiger Maximilian Wöber.

Jaissles Warnung rührt nicht nur von der statistischen Seite her, sie ruht auch auf den jüngsten Entwicklungen beim Gegner. Nach zuvor acht sieglosen Pflichtspielen und der Trennung von Kurzzeitcoach Mark van Bommel tauchte der VfL am Samstag unter der Ägide von Ex-Werder-Trainer Florian Kohfeldt mit dem 2:0 über Bayer Leverkusen aus dem Tränental. Die wiederentdeckte Lust am Erfolg dürfte die Aufgabe für Salzburg nicht leichter machen. Wolfsburg hat zwar aktuell nur zwei Punkte am CL-Konto, ist aber mit Lille (2) gleichauf und liegt nur knapp hinter Sevilla (3). Ein Sieg ist für die Gastgeber fast Pflicht.

Jaissle: Sind nicht plötzlich Favorit

„Was im Hinspiel war, ist vorbei. Die Partie in Wolfsburg hat damit nichts zu tun", betonte Jaissle. Beim 3:1-Heimerfolg vor zwei Wochen bot Salzburg seiner Jugend zum trotz eine reife Leistung, der „Mann des Spiels" war mit zwei Toren ein bestens aufgelegter Noah Okafor. Nun sieht Jaissle in Niedersachsen einen „neuen Trainer mit neuen Ideen im Amt", das mache die Vorbereitung „sicher nicht einfacher". So oder so treffe man auf „ein deutsches Top-Team, das über sehr viel Qualität verfügt. Das haben sie beim 2:0 in Leverkusen eindrucksvoll gezeigt", erklärte Jaissle. „Auch wenn wir sehr gut in die Gruppenphase gestartet sind, sind wir jetzt sicher nicht plötzlich der Favorit."

Kohfeldt mit viel Respekt

Zumal sich in Wolfsburg innerhalb weniger Tage tatsächlich einiges getan hat. Kohfeldt stellte von der gewohnten Vierer- auf Dreierkette um, seine Truppe agierte defensiv angriffiger und zeigte auch in der Offensive mehr Zug zum Tor. „Der Trainer hat den richtigen Impuls gesetzt mit der Intensität gegen den Ball. Das kam zur richtigen Zeit", resümierte etwa VfL-Rekordspieler Maximilian Arnold. Und Mittelfeldmann Josuha Guilavogui bestätigte, dass Kohfeldt „sofort in unserem Kopf" gewesen sei. Mit dem schon in Salzburg wegen Corona fehlenden Wout Weghorst hat Wolfsburg jedenfalls wieder seinen Toptorschützen zurück im Kader. In Bezug auf den Niederländer stellte der Trainer jedoch „eher einen Teileinsatz" in Aussicht.

Ob die „Wölfe" auch gegen Salzburg mit einer Dreierkette agieren werden, bleibt abzuwarten. Sein Personal will Kohfeldt auch an Salzburg anpassen: „Gerade was das Thema Tempo angeht, wird es schon sehr wichtig sein auch ebenbürtig zu sein." Die Bullen erwartete der Trainer neuerlich mit „Vollgas – das zeichnet sie aus, das macht sie stark". Den frühen Umschaltmoment zu finden, sei bei Salzburg in „Fleisch und Blut" übergegangen und sei mitverantwortlich für eine bisher „wirklich beeindruckende Saison".

Wir wollen wieder auf unsere Art und Weise für Furore sorgen.
Red Bull-Trainer Matthias Jaissle

„Das war ein richtiges Aufbäumen von der Mannschaft", konstatierte Jaissle nach Betrachtung des VfL-Sieges in Leverkusen, seine Elf erwarte ein anderes Team, „alleine schon von der Mentalität her. Mutiger, disziplinierter", wie der 33-Jährige befand. Kapitän Andreas Ulmer sah es ähnlich: „Sie haben wieder Intensität in ihrem Spiel drinnen." Für Jaissle ist es aber ohnehin nur ein Blick in die „Glaskugel. Wir sind gut vorbereitet, wir können schnellstmöglich reagieren", betonte der Deutsche, in seiner ersten Saison als Profitrainer in 21 Pflichtspielen bei 3 Remis noch ungeschlagen.

So oder so sei die eigene Brust breit, „wir wollen wieder auf unsere Art und Weise für Furore sorgen", meinte Jaissle, der Innenverteidiger Oumar Solet und Stürmer Benjamin Sesko nach Verletzungen wieder zur Verfügung hat. Schon ein Remis vor rund 800 mitgereisten „Bullen"-Fans sichert Salzburg das Überwintern im Europacup, zumindest im Sechzehntelfinale der Europa League wäre man dann fix vertreten und würde dort auf einen EL-Gruppenzweiten treffen. (APA)


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