Immer mehr Bezirke mit Ausreise-Testpflicht: Landeck und Reutte an der Kippe

In Österreich setzt sich das dynamische Infektionsgeschehen fort. In Ober- und Niederösterreich verhängen immer mehr Bezirke Ausreisekontrollen. Auch in Tirol sind erste Bezirke am Radar des Krisenstabs – das Außerfern und Landeck stehen unter Beobachtung.

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Die Bundesländer reagieren derzeit vielfach mit Ausreise-Kontrollen in Bezirken mit einer hohen Rate an Neuinfektionen.
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Innsbruck, Wien – Das Abwassermonitoring in Tirol ist ein verlässlicher Parameter, wenn es um die Corona-Entwicklung geht. Die aktuellen Zahlen der Abwasseranalysen belegen ganz klar einen deutlichen Anstieg des Covid-19-Infektionsgeschehens in der Tiroler Landeshauptstadt. Die Viruskonzentration erreichte jenen Höchstwert, der zuletzt im April festgestellt wurde. 3344 Personen sind aktuell in Tirol infiziert, 103 davon müssen in den Spitälern behandelt werden.

Die Situation auf den Intensivstationen ist mit 23 Patienten noch stabil, über den Bezirken Landeck und Reutte hängt jedoch das Damoklesschwert der Ausreise-Testpflicht. So wie in elf Bezirken in Nieder- und Oberösterreich. In Relation zur Impfquote wird in den Bezirken Landeck und Reutte die kritische Marke von Neuinfektionen überschritten, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei über 600. Bleibt es dabei, wird eine Ausreise-Testpflicht überlegt. Die Impfquote beträgt in Reutte 61,3 Prozent und im Bezirk Landeck 64 Prozent.

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Tirol verschärft ab 8. November

In sieben von neun Bundesländern treten in den nächsten Tagen regionale Verschärfungen in Kraft. Ab 8. November wird etwa in Tirol der Zugang zu Nachtgastronomie und Diskotheken sowie zu Veranstaltungen ab 500 Personen nur noch mit einem 2-G-Nachweis, also geimpft oder genesen, möglich sein. Zudem wird es ab dem Zeitpunkt eine Maskenpflicht im gesamten Handel sowie in Museen und Bibliotheken geben. Im medizinischen Bereich wie in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Arztordinationen wird die 2,5-G-Regel gelten. Dort muss man geimpft oder genesen sein oder einen negativen PCR-Test vorweisen können.

3-G-Regel am Arbeitsplatz in Kraft

Montag trat die 3-G-Regel am Arbeitsplatz in Kraft. All jene, die am Arbeitsort physischen Kontakt zu anderen Personen nicht ausschließen können, müssen seither einen Impf-, Genesungs- oder Testnachweis mit sich führen. Allerdings gibt es eine 14-tägige Übergangsfrist: Bis einschließlich 14. November können all jene, die in der Arbeitsstätte keinen 3-G-Nachweis dabei haben, stattdessen durchgehend eine FFP2-Maske tragen.

Die 3-G-Regel wird österreichweit ab der Phase 3 des 5-Stufenplans zu einer 2,5-G-Regel – und zwar ab einer Intensivstations-Belegung von 400 Covid-Patienten. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) erwartet dies für Ende dieser oder Anfang kommender Woche. Montag wurden 292 Covid-Patienten intensivmedizinisch betreut.

Booster-Impfung ab 18

Der klinische Pharmakologe Markus Zeitlinger sowie der Mikrobiologe Michael Wagner sprechen sich klar für eine Empfehlung zum „Dritten Stich“ für alle Personen ab 18 Jahren bei der Corona-Impfung aus – sechs Monate nach dem zweiten Stich.

Die Infektionszahlen werden zwar aktuell ganz eindeutig von den Ungeimpften getrieben, „aber man sieht, dass es auch bei den Durchbruchsinfektionen (bei Geimpften, Anm.) nach oben geht“, so Zeitlinger gegenüber der APA. Er rechnet mit einer nachhaltigeren Wirkung nach dem Drittstich als nach den ersten beiden Impfungen: „Ich gehe davon aus, dass man nach der dritten Impfung eine viel längere Immunität hat als nach der zweiten Impfung.“ (TT, pn)


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