Kampf um die Daten, das Gold des 21. Jahrhunderts: Das war der Medientag

Der Medientag 2021 der Universität Innsbruck stand im Zeichen von Daten, die wir hinterlassen, und wer diese politisch nutzt bzw. missbraucht. Im Videostream können Sie die Veranstaltung nachschauen.

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Wie mit Daten Politik und Geld gemacht wird: Autorin Ingrid Brodnig (v. l.) diskutierte unter der Leitung von Moderatorin Martina Bachor mit den Digital-Experten Stefan Wacker und Oliver Leistert über Daten-Politik.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Jedem, der Facebook, Instagram oder irgendein anderes soziales Medium nutzt, ist es schon einmal passiert: Eine Werbung wird angezeigt und man fragt sich, wie die Datenbank wissen kann, dass man sich genau über das Thema gerade informiert hat. Politische Parteien nutzen diese zielgerichtete Werbung und die Macht, die dahintersteckt. Am gestrigen Medientag der Universität Innsbruck, organisiert in Kooperation mit der Tiroler Tageszeitung und der Austria Presse Agentur, stand „Data-Politics“ im Fokus.

Ein Thema, aktueller denn je. In diesen Tagen wird auf EU-Ebene verhandelt, ob Plattformen wie Facebook ihre Algorithmen, in denen die Daten der Nutzer verwaltet werden, offenlegen müssen. „Wir, die User, aber auch die Parteien wissen im Moment nicht, wie das funktioniert. Wir spielen also ein Spiel mit, ohne die Spielregeln zu kennen“, sagte die Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig.

Der hohe Einsatz, mit dem man spielt, ist vielen Menschen jedoch gar nicht bewusst. Das Daten-Tracking sei der Preis, den wir für die Nutzung dieser Plattformen zahlen, erklärte APA-CEO Clemens Pig. „Zu diesen neuen Preismodellen gesellen sich datengetriebene Echokammer, die uns Desinformationen, Fake News und Hate Speech in die digitale Mitte gespült haben.“

📽️ Video | Der Medientag 2021 zum Nachschauen:

Derzeit steht Facebook unter Verdacht, dass jene Nutzer, „die Wut säen, sogar absichtlich mehr Aufmerksamkeit bekommen“, betonte Brodnig. Umso entscheidender sind die kommenden Tage, in denen sich herausstellen wird, ob neue EU-Gesetze die Macht der großen Digital-Konzerne einschränken werden. Für Hermann Petz, CEO der Moser Holding, geht es beim Kampf um Daten um nichts weniger als um das „Gold des 21. Jahrhunderts“. Er machte auch einen Blick in die Vergangenheit: „Ich erinnere mich, mit welcher Euphorie die Menschen in das Zeitalter der sozialen Medien eingestiegen sind und welche Demokratisierungsmöglichkeiten gesehen wurden. Aber niemand von uns rechnete damals damit, dass sich das auch perfekt eignet für autokratische Systeme, um eine Totalüberwachung der Bürger einzuführen“, verwies Petz auf das „Social Scoring“-System in China.

Nicht nur dort wird mittels Daten Macht ausgeübt. Oliver Leistert, Medienwissenschafter an der Leuphana Universität Lüneburg, erklärte am Medientag, wie große Konzerne wie Facebook Daten horten, aber inzwischen bereits auch zahlreiche Start-ups damit ein Geschäft machen. Diese würden zum Beispiel App-Entwicklern anbieten, eine Software im Hintergrund der Anwendung laufen zu lassen, damit Daten gesammelt werden – ohne dass es der Smartphone-Nutzer mitbekommt. „Das ist schon ziemlich perfide“, sagte Leistert.

Stefan Wacker, der als Digital-Experte Parteien, Unternehmen und NGOs berät, fasste die Datensammel-Wut so zusammen: „Im Moment fühlt es sich an, als wären wir im Wilden Westen. Es gibt keine Regeln, keinen Anstand und es wird viel polarisiert.“ Um die Daten, das Gold des 21. Jahrhunderts, nicht ganz zu verlieren, braucht es Wacker zufolge aber nicht nur Gesetze, sondern „Bildung, Bildung, Bildung“. Durch lebenslange Medienkompetenz könne man verstehen, was mit den Daten passiert und wie man sich schützt. (chris)


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