25 Sprengmasten in Ötztaler Alpen: Explosives Projekt im Ruhegebiet

Die Kaunertaler Gletscherbahnen wollen 25 Lawinensprengmasten im Natura-2000-Gebiet bauen. Scharfe Kritik kommt vom Landesumweltanwalt.

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25 Lawinensprengmasten sollen oberhalb der Kaunertaler Gletscherstraß­e gebaut werden.
© APA/Stiplovsek

Von Matthias Reichle

Kaunertal – 300-mal wollen die Kaunertaler Gletscherbahnen künftig pro Winter auf den Sprengknopf drücken. Das Pikante daran: Die 25 zugehörigen Sprengmasten sollen ausgerechnet im Ruhegebiet Ötztaler Alpen errichtet werden – eine Fläche, die zudem als Natura-2000-Vogelschutz-Gebiet und Natura-2000-FFH-Gebiet ausgewiesen ist.

Das Projekt, das kürzlich durch die Bezirkshauptmannschaft Landeck genehmigt wurde, sorgt für mächtig Sprengstoff und liegt seit dem Einspruch des Landesumweltanwalts auf Eis. Dass man in einem Ruhegebiet, wo jede Lärmerregung verboten ist, Sprengmasten bauen will, versteht Landesumweltanwalt-Stv. Walter Tschon nicht. Dem stehe mindestens ein Verbotstatbestand entgegen.

Vor allem weil sich in unmittelbarer Nähe Birkhuhnbalzplätze befinden, sei das problematisch. Arten wie das Haselhuhn, der Steinadler, der Kuckuck, der Turmfalke, das Steinhuhn und möglicherweise sogar Uhu und Bartgeier kommen laut Gutachten in diesem Gebiet vor. Der Gutachter spricht von einer „erhöhten Sterblichkeit“ und einer „Reduktion des Fortpflanzungserfolges“ bei den Wildtieren, die im Winter zusätzlichem Stress ausgesetzt wären. Zudem würde ein „Präzedenzfall“ für andere Skigebiete geschaffen, glaubt Tschon.

Geschäftsführerin sieht Verbesserung für Natur

Geplant sind die Sprengmasten auf einer Höhe zwischen 2300 und 2700 Metern oberhalb der Kaunertaler Gletscherstraße, direkt über dem Ostufer des Gepatschstausees. Sie sollen die Zufahrt zum Skigebiet schützen. Es gehe um die Sicherheit und letztlich auch um Menschenleben, betont Geschäftsführerin Beate Rubatscher-Larcher. Die Weststraße des Gepatschstausees, die bisher als Gletscherzufahrt im Winter genutzt wurde, sei durch Großmassenbewegungen stark gefährdet.

Das aktuelle Projekt sei die einzige Möglichkeit, um eine durchgängige Erreichbarkeit zu gewährleisten. Rubatscher-Larcher sieht in den neuen Sprengmasten sogar eine Verbesserung für die Natur. Bisher wurden Lawinen vom Hubschrauber aus ausgelöst – rund 1200-mal pro Winter.

Ob die Zahl der Sprengungen wie vom Projektwerber behauptet auf nur 300 sinkt, das wird allerdings von der Landesumweltanswaltschaft stark bezweifelt. Man schlägt Alternativen vor – wie den Bau einer Galerie, die ohne große Eingriffe möglich wäre. Finanzielle Aspekte würden hier wieder einmal über den Naturschutz erhoben.

Das sei tatsächlich „nicht finanzierbar“, kann der Kaunertaler Bürgermeister Pepi Raich einer Alternative wenig abgewinnen. An der Zufahrt gebe es ein großes öffentliches Interesse. Nun ist das Landesverwaltungsgericht am Zug.


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