Der Volksbildner: Michael Forcher feiert 80. Geburtstag

Der Historiker und langjährige Haymon-Verleger Michael Forcher wird heute 80.

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Michael Forcher gründete 1982 den Innsbrucker Haymon Verlag.
© Böhm

Von Joachim Leitner

Innsbruck – Wenn historischer Rat gebraucht wird, ruft man Michael Forcher an. Egal, ob es um die Hin- und Herrichtung Andreas Hofers, geheimpolizeiliche Verstrickungen im Vormärz, die Dolomitenfront oder die unrühmliche Rolle der Schützen als stolz Habacht stehende Propagandisten des Nationalsozialismus geht, Forcher kann über beinahe alles, was war – und das ins Heute hereinwirkt –, fundierte Auskunft geben. Lange Jahre war der promovierte Historiker in der Erwachsenenbildung tätig. Bis heute hält er landauf, landab Vorträge über letzte Ritter, Landesfürsten und revolutionäre Bauernführer. Auch in seinen zahlreichen Publikationen, die jüngste „Geschichte der Stadt Innsbruck“ ist erst vor Kurzem erschienen, versteht er sich auf anschauliche Schilderungen und Sachlichkeit im Ton – provokative Thesen sind Michael Forchers Sache nicht. Es sei ihm immer um Wissensvermittlung gegangen, unterstrich er kürzlich in einem Interview.

1982, nach einer erfolgreichen Laufbahn als Journalist und Öffentlichkeitsarbeiter, gründete der 1941 in Lienz geborene Michael Forcher den Innsbrucker Haymon Verlag – und etablierte ihn zunächst als führende Adresse für Tirolensien und regionalgeschichtliche Veröffentlichungen.

Ab Ende der 1980er-Jahre öffnete Forcher das Haymon-Programm zusehends auch für literarische Titel. Die Anfänge waren ein bibliophiles Wagnis: Raoul Schrotts von Gerald Nitsche aufwändig gestaltete Dada-Studie erschien 1988. Weitere Kunst-Bücher, etwa Schrotts von Adolf Frohner illustrierte „Legenden vom Tod“ (1990), folgten.

Bodenständiger und breitenwirksamer waren Felix Mitterers Dramen, die seit „Kein schöner Land“ (1988) ebenfalls bei Haymon herauskamen. Mit Alfred Komareks „Polt“-Büchern und Kurt Lanthalers Romanen um Gelegenheitsdetektiv Tschonnie Tschenett reüssierte der Innsbrucker Verlag in den 1990er-Jahren auch auf dem Krimi-Sektor. Verdienstvoll war auch Forchers Engagement für das Werk des Südtiroler Dichters n. c. kaser, das ab 1988 in drei Bänden erschien – und dem Verlag auch internationale Beachtung einbrachte.

Seit Ende 2006 ist Michael Forcher Verleger im Ruhestand. Seither verging kaum ein Jahr ohne neues Forcher-Buch. Zuletzt erschien neben der „Geschichte der Stadt Innsbruck“ auch eine Michael-Gaismair-Biografie. Heute wird Michael Forcher 80 Jahre alt.


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