Gründer Schönenberger: „Die Substanz ist da, man muss sie nutzen“

Warum nur Silicon Valley? Europa hat genauso Geld und Kompetenz, sagt Gründer Helmut Schönenberger.

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Helmut Schönenberger ist Gründer des größten Gründerzentrums Europas.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Viele der Studenten am Foto seien heute Multimillionäre, sagt Helmut Schönenberger und zeigt auf das Bild, das hinter ihm auf die Videowall projiziert wird. Der Gründer und CEO von UnternehmerTUM hatte vor vielen Jahren, als er „selbst noch ein kleiner Studi war“, die Idee, in München ein Gründerzentrum zu etablieren. Mit der Hilfe von Susanne Klatten, der reichsten Frau Deutschlands, wurde 2002 die UnternehmerTUM GmbH gegründet. Seither sind rund 1000 Start-ups daraus hervorgegangen, sagt Schönenberger. Denn mittlerweile arbeiten rund 300 Mitarbeiter für Klatten und Schönenberger – und helfen Gründern, ihre Ideen umzusetzen. Rund 5000 Teilnehmer nehmen dieses Angebot jährlich wahr, es entstehen über 100 Innovationspartnerschaften und mehr als „50 wachstumsstarke Technologie-Gründungen pro Jahr“, sagt Schönenberger. Das macht die UnternehmerTUM GmbH zum führenden Zentrum für Gründung und Innovation Europas. Daraus gehen Unternehmen wie Flixbus hervor, die zu Weltmarktführern werden. All das sagt Schönenberger nicht ohne Stolz und eine gehörige Portion Optimismus. In den kommenden zehn Jahren soll sich das Gründerzentrum verzehnfachen, aktuell wächst die UnternehmerTUM GmbH jährlich um 25 Prozent. Der Raum Innsbruck–München „hat in etwa dieselbe Größe wie das Silicon Valley“, sagt der Gründer und Honorarprofessor an der TU München. „Tirol ist ein starker Wirtschaftsstandort, Innsbruck eine tolle Stadt. Die Kompetenzen und Ressourcen sind da“, sagt Schönenberger, man müsse nur noch „die Kräfte bündeln und zusammenhalten“.

Denn das Denken dürfe nicht in Rosenheim oder Innsbruck enden. Um global erfolgreich zu sein, müsse man sich aus China und den USA „gegenseitig die Bälle zuwerfen“. Dafür seien die Partnerschaften und Vernetzungen durch die Universitäten hilfreich. Doch: Aus Reden alleine sei noch kein Unternehmen entstanden. Man müsse sich „verbünden und Gas geben“, erklärt der CEO des Gründerzentrums. Denn es mache einen gewaltigen Unterschied, ob man heute gründe, vor zehn Jahren gegründet hat – oder in zehn Jahren gründen will, sagt Schönenberger und rät: „Lauft heute los, das Rennen ist gnadenlos.“ Es sei eine der wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahre, mit der Geschwindigkeit der amerikanischen und chinesischen Start-up-Szene mitzuhalten. Wichtig dafür sei ein gutes Umfeld für Innovationen, etwa durch gute Universitäten und Industrie-Unternehmen. „Und diese Substanz haben wir“, sagt Schönenberger“, „der Punkt ist, dass wir, als diejenigen, die heute in der Verantwortung sind, die nächsten Generationen gut ausbilden und ihnen den Schwung und den Mut mitgeben müssen, Großes zu bauen.“ (TT)


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