47 Kilometer im Privatjet: Von der Leyens Flug von Wien nach Bratislava sorgt für Ärger

Während in vielen Ländern darüber diskutiert wird, Kurzstreckenflüge zu verbieten, nutzt die EU-Kommissionspräsidentin für eine nicht einmal 50 Kilometer lange Strecke das Flugzeug. Das sorgt für Aufregung. Der europäische Steuerzahlerbund spricht von einer „ökologischen Sünde“ mit Folgen für die Glaubwürdigkeit. Selbst aus der eigenen Partei muss Ursula von der Leyen sich Kritik anhören.

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Ausgerechnet jene Politikerin, die immer wieder für ehrgeizige Klimaschutzziele eintritt, stieg für einen Ultrakurzstreckenflug ins Flugzeug.
© AFP

Wien/Brüssel – Abgehobenheit der besonderen Art hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) im Sommer bei einem Besuch von Wien und Bratislava demonstriert. Sie flog 47 Kilometer mit dem Privatjet. Der 19-minütige Kurzflug sorgt für Kritik – gerade deswegen, weil die CDU-Politikerin als Kommissionspräsidentin regelmäßig für einen europäischen Green Deal wirbt.

„Ökologische Sünde"

FPÖ-Europaabgeordneter Harald Vilimsky zeigte sich empört über den Ultrakurzstreckenflug. „Unter dem Titel Klimaschutz einerseits Belastungspakete für Europas Bürger schnüren, aber andererseits selber exzessiv Privatjets nutzen: Das zeigt die ganze Verlogenheit von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und ihrem Green Deal", erklärte er am Mittwoch in einer Aussendung. „Wer soll sie noch ernst nehmen, wenn sie angesichts dieses Verhaltens den EU-Bürgern ihre Klimaschutzmaßnahmen verkaufen will?"

Kritik kam auch vom Europäischen Steuerzahlerbund. Dessen Generalsekretär Michael Jäger bezeichnete den Wien-Bratislava-Flug in der Bild-Zeitung (Donnerstagsausgabe) als „ökologische Sünde". „Er kostet viel Steuergeld, viel Zeit für Wege von und zu den Flughäfen und vor allem: viel Glaubwürdigkeit", so Jäger nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP. Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Jana Schimke ermahnte ihre Parteifreundin: „Wenn man Wandel will, dann muss man ihn auch vorleben. Ansonsten wird man unglaubwürdig."

„Logistisch keine andere Möglichkeit“

Ein Sprecher der EU-Kommission rechtfertigte den Flug gegenüber der Bild-Zeitung: „Mit Abflug und Ankunft in Belgien waren es bei dieser Reise der Präsidentin sieben Länder in zwei Tagen. Alternativen wurden geprüft, doch es gab logistisch keine andere Möglichkeit". Noch am selben Abend sei von der Leyen mit dem Privatflugzeug nach Riga geflogen. „Hinzu kommt, dass es wegen Corona Bedenken gab, Linienflüge oder Züge zu nutzen".

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Von der Leyen hatte die österreichische und slowakische Hauptstadt Ende Juni im Rahmen einer Tour zur feierlichen Bekanntgabe der Corona-Hilfen besucht. Der milliardenschwere Aufbaufonds hat dabei einen besonderen Schwerpunkt auf klimafreundliche Investitionen. Nach ihrem Amtsantritt hatte die deutsche Christdemokratin einen „Green Deal" aus der Taufe gehoben und drängt auf ehrgeizige Klimaschutzziele, wobei explizit auch Kurzstreckenflüge zurückgedrängt werden sollen. Zwischen Wien und Bratislava gibt es schon jetzt keine Linienflugverbindung. Von der Leyen flog mit dem Privatjet. (APA)


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