Veranstaltung im Ferdinandeum: Jacob Stainer – das Genie und der Wahnsinn

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Innsbruck, Absam – Die Legende, wonach der berühmte, 1683 verstorbene Absamer Geigenbauer Jacob Stainer gegen Lebensende an einer psychischen Erkrankung gelitten hätte, hält sich hartnäckig – stützt sich aber nur auf wenige, in ihrem Aussagewert zweifelhafte Quellen. So heißt es 1680 in einer Aufstellung von Ausgaben des Münchner Hofes (Stainer arbeitete seit 1679 an Instrumenten für diesen Auftraggeber), Stainer sei mit dem angebotenen Preis nicht zufrieden und kürzlich „ganz sinnlos“ geworden. Als besonders greifbarer „Beweis“ für „irre Phasen“ gilt seit über 150 Jahren ein einfaches Brett: „Die Erzählung überliefert, man habe den Meister in seinem Wahnsinnszustand an eine Bank gefesselt, deren Sitzbrett heute noch erhalten ist“, schreibt Walter Senn darüber in seiner Stainer-Biografie. Ein Ereignis, das Anlass sein könnte, über eine psychische Erkrankung Stainers zu sprechen, wird hingegen konsequent ausgeblendet: der Ketzereiprozess gegen ihn in den Jahren 1668/69, in dessen Verlauf er zweimal in Haft genommen wurde.

In einer gemeinsamen Veranstaltung des Landesmuseums Ferdinandeum und des Gemeindemuseums Absam – heute Freitag um 18 Uhr im Ferdinandeum – geht es daher um die Frage, ob die „Diagnose“ von Stainers Wahnsinn in einem Zusammenhang mit dem Ketzereivorwurf stehen könnte. Es liest Johannes Nikolussi, Kommentare steuert der Absamer Museumsleiter Matthias Breit bei. Eintritt frei.

Im Anschluss, um 19 Uhr, spielt dann die international renommierte deutsche Barockgeigerin Annegret Siedel auf einer echten Stainer-Violine. Karten für dieses Konzert gibt es an der Museumskasse des Ferdinandeums und an der Abendkasse. (TT)

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