Glasfasernetze liegen oft ungenutzt vor der Haustüre

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Glasfaser sollte heute Standard sein wie ein Trinkwassernetz.
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Landeck – Die gute Nachricht zuerst: Landeck ist der einzige Bezirk Tirols, in dem sämtliche Gemeinden die Breitbandoffensive des Landes genutzt haben und damit über ultraschnelle Glasfasernetze verfügen. Zuletzt haben Strengen und sogar das entlegene Bergdorf Spiss angedockt. Das zeigte der Zammer IT-Experte und Netzwerker Hermann Hammerl auf. „Landeck und weite Teile Tirols haben heute eine vorbildliche Glasfaserinfrastruktur. Nur einige wenige Gemeinden glauben immer noch, das schnelle Internet kommt vom lieben Gott.“

In der Startphase 2013, als Landeck noch nicht an der Datenautobahn lag, gab es Fördermittel aus dem Leadertopf der EU, wie sich Gerald Jochum vom Regionalmanagement regioL erinnert. Danach öffneten das Land Tirol und der Bund millionenschwere Töpfe für die Breitbandoffensive. „Die Gemeinden haben die Fördermittel restlos abgeholt, wenn auch unterschiedlich schnell“, resümiert Jochum. Nichts anbrennen ließen etwa Serfaus, Fiss und Ladis, sie waren die schnellsten beim Ausbau der Glasfasernetze.

Ob Klein- und Mittelbetrieb, Dienstleister, Behörde, Bank oder Hotel: Die Wirtschaft in Landeck-Zams, aber auch in den Tälern „ist praktisch zu 100 Prozent im schnellen Netz unterwegs. Früher waren wir ein Notstandsgebiet, heute sind wir Vorreiter“, so Hammerl. „Das Netz bedeutet auch Arbeitsplatzsicherheit.“

Die schlechte Nachricht betrifft die privaten Haushalte. Kaum 25 Prozent der Haushalte in Landeck-Zams würden die Datenautobahn nutzen. „Es gibt offenbar Hemmschwellen, vom alten Kupfernetz, an dem das Festnetztelefon hängt, auf Glasfaser umzusteigen“, zeigt der Netzwerker Hammerl auf.

Walter Handle, Experte für Glasfaserausbau, bringt es so auf den Punkt: „Die Leute erkennen den Nutzen der schnellen regionalen Netze nicht. Sie sind zu bequem, die letzten paar Meter von der Straße ins Haus zu installieren. Dabei liegen die Netze oft vor der Türe.“ Übrigens gibt es vom Land derzeit einen Hausanschlussscheck in Höhe von 1000 Euro. (hwe)


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