Pogromgedenken in Tirol: „Es gibt viele, die es noch hören müssen“

Bei „Tirol Live“ sprachen die Historikerin Ingrid Böhler und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Günter Lieder über die Pogromnacht und Erinnerungskultur.

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Ingrid Böhler und Günter Lieder waren Gäste bei „Tirol Live“.
© De Moor

Innsbruck – Erinnern. Gedenken. Niemals Vergessen. In der Zeitgeschichte steckt der Blick zurück. Wie Tirol mit seiner Geschichte während des Nationalsozialismus umgeht, stand gestern im Mittelpunkt bei „Tirol Live“. Heute vor 83 Jahren wurden in der Pogromnacht drei jüdische Mitbürger in Innsbruck ermordet, einer erlag wenige Wochen später seinen schweren Verletzungen. Für den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Günter Lieder, muss auch nach Jahrzehnten das „Niemals Vergessen“ immer wieder manifestiert werden.

📽️ Video | Günther Lieder in „Tirol Live“:

„Wir müssen daran erinnern, dass wir heute in einer Zeit leben, in der die Letzten, die die Shoa bewusst erlebt haben, sowohl als Opfer als auch als Täter, bald nicht mehr leben werden“, appelliert Lieder. Als Nachgeborener sei man deshalb dazu angehalten, diese Erinnerung wachzuhalten. „Denn es gibt sehr viele, die es noch hören müssen, weil sie es nicht wissen.“ Was die Aufarbeitung der NS-Zeit, aber auch den interreligiösen Dialog betrifft, spricht er von Tirol als Vorbild.

Die Leiterin des Instituts für Zeitgeschichte an der Uni Innsbruck, Ingrid Böhler, spannte einen Bogen von der Zeitgeschichte bis hin zur Vermittlung dieser an die Jugend von heute. „Wir müssen versuchen, die jungen Leute dort abzuholen, wo sie sind. Und mit ihnen einen Handlungsstrang von der Vergangenheit in ihre Gegenwart zu ziehen. Hier in Tirol.“ Die Erinnerungskultur und die wissenschaftliche Forschung über die NS-Verstrickungen von bedeutenden Vertretern der Volkskultur in Tirol, die oft von außen angestoßen worden seien, bezeichnet Böhler „als Glücksfall für unsere Zunft“. Seit etwa zehn Jahren gebe es so etwas wie eine zweite Welle in der Aufarbeitung der NS-Geschichte in Tirol. „Die vielleicht gemeinhin vertretene Haltung, wir sollten doch endlich einen Schlussstrich ziehen, ist nicht mehr mehrheitsfähig.“ (pn)

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📽️ Video | Ingrid Böhler in „Tirol Live“:


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