Außenminister Linhart möchte in Turkmenistan bilaterale Beziehungen stärken

Linhart traf zum Abschluss seiner Zentralasienreise in Aschchabad Präsident Berdimuchamedow und den Amtskollegen Meredow. Eine bilaterale Wirtschaftskooperation stand dabei im Mittelpunkt.

  • Artikel
  • Diskussion (1)
Außenminister Michael Linhart (ÖVP/r.) und der turkmenische Außenminister Rashid Meredov beim Treffen in Aschchabat.
© APA/BMEIA/MICHAEL GRUBER

Aschchabad, Wien – Zum Abschluss seiner sechstägigen Reise durch Zentralasien ist Außenminister Michael Linhart (ÖVP) am Montagvormittag (Ortszeit) in Turkmenistan mit Präsident Gurbanguli Berdimuchamedow und Außenminister Raschid Meredow zusammengekommen. Neben der Lage im Krisenland Afghanistan stand vor allem der Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen im Mittelpunkt.

"Sind offen für Kooperation"

"Meine Botschaft: Wir sind hier und wir sind offen für Kooperation", erklärte Linhart, der wie bei seinen vorherigen Stationen in Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan von einer Wirtschaftsdelegation begleitet wurde. Ökonomisch könne Österreich unter anderem Know-how in den Bereichen Wasserkraft oder erneuerbare Energien anbieten, so der Außenminister. "Wir haben viele Projekte."

Er erwähnte auch die von Außenministerium und Wirtschaftskammer (WKO) lancierte Wiederaufbaukampagne nach der Coronakrise. Diese sei zwar noch nicht vorbei, sagte Linhart, "aber wir sehen das Licht am Ende des Tunnels".

Meredow berichtete von einem "sehr fruchtbaren Gespräch", das Linhart mit dem Präsidenten geführt habe. Staatschef Berdimuchamedow habe ihm die künftige Strategie seines Landes und die Position zu Afghanistan erklärt. Konkreter wurde der Außenminister nicht. Linhart selbst berichtete aus dem Gespräch mit Berdimuchamedow, dieser habe gemeint, mit den in Afghanistan nun wieder herrschenden, radikal-islamischen Taliban müsse man schon auch "Geduld haben". Turkmenistan versuche wie der Nachbar Usbekistan, die Afghanen zu versorgen, damit es nicht aus Not zu Fluchtbewegungen komme.

3 x Futterkutter-Kochbuch zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Meredow verwies auf das Potenzial Turkmenistans im Öl- und vor allem Gassektor sowie darauf, dass Turkmenistan im Mai 2020 der Beobachterstatus in der Welthandelsorganisation (WTO) verliehen worden sei. Mit diesem neuen Status gehe die frühere Sowjetrepublik den ersten Schritt, um sich in der WTO zu integrieren. Weiters seien Kooperationen in den Bereichen Bildung und Wissenschaft geplant, die auch mit einem bilateralen Abkommen besiegelt werden sollen. "Nun müssen wir das Abkommen mit Leben erfüllen", so Linhart. Angesichts aktuelle Herausforderungen werde es immer wichtiger, mit den Ländern der Region zu kooperieren. In Aschchabad wird Linhart laut Programm weiters mit Vertretern der EU und der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) zusammentreffen.

Autoritäre bis totalitäre Führung

Der autoritär bis totalitär herrschende Berdimuchamedow ist seit 2007 im Amt, Meredow seit 2001. Der turkmenische Präsident ist mit einer großen Machtfülle ausgestattet: Er ist nicht nur Staatsoberhaupt, sondern zugleich auch Regierungs- und Armeechef und kontrolliert die Medien sowie die Zivilgesellschaft. Berdimuchamedow war im Februar 2017 mit 98 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden.

Berdimuchamedow stammt aus einer Familie mit acht Kindern, in der er der einzige Sohn war. Er wurde Zahnarzt und behandelte später auch den damaligen Präsidenten Saparmurat Nijasow, der bis zu seinem Tod 2006 eine autoritäre Herrschaft in Turkmenistan ausübte. Der mit Turkmenbaschi (Führer der Turkmenen) titulierte Nijasow setzte Berdimuchamedow zunächst als Gesundheitsminister ein. Mit starkem Rückhalt der Geheimdienste trat Berdimuchamedow schließlich nach dessen Tod die Nachfolge Nijasows an.

Im täglichen Leben der Turkmenen ist Berdimuchamedow omnipräsent. Seine elegischen Gedichte werden etwa auf den Titelseiten der Tageszeitungen abgedruckt, zudem fiel er in den vergangenen Jahren mit teils bizarren Musikvideos auf.

Turkmenistan war ehemals von Nomadenvölkern geprägt. Die Hauptstadt Aschchabad ist seit dem Zerfall der UdSSR und der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1991 rasch gewachsen. Im Lauf der Jahrzehnte hat sich östlich des ehemals sowjetischen Stadtkerns ein neues Zentrum gebildet. Es ist gezeichnet von Monumentalbauten, Denkmälern, breiten Prachtstraßen und ausgedehnten Grünflächen und Parks. In der jüngeren Vergangenheit wurden zahlreiche neue Wohnblöcke errichtet. Laut kritischen Geistern stehen viele leer, weil sie auch errichtet wurden, weil Präsident Berdimuchamedow die Arbeitslosenrate niedrig halten wollte. Auch einen Flughafen ließ der Machthaber bauen. Nicht nur wegen Corona steht er aber praktisch leer, denn es gibt kaum Flüge.

Lieblingsfarbe des Präsidenten prägt das Land

Auch wenn diese Protz-Bauten mitunter abends und nachts von bunten Neonlichterketten zum Glitzern gebracht werden, sind sie prinzipiell in Weiß gehalten, weil das die Lieblingsfarbe des Präsidenten ist. Er reitet laut Kennern der Szene prinzipiell nur auf weißen Pferden, lässt bei Empfängen oder Festlichkeiten nur weiße Blumengestecke zu und verfügte vor einigen Jahren, dass es in Turkmenistan nur noch weiße Autos geben dürfe.

Tatsächlich dürfen Staatskarossen, Autobusse und alle privaten Kraftfahrzeuge nur noch in dieser Farbe importiert und gekauft werden. Auch wenn sich da und dort noch ein leicht silbriges oder beiges Exemplar in den Verkehr schummelt, dürfte auch die Bevölkerung ihre fahrbaren Untersätze brav umgefärbt haben. Wobei dies laut Medien in der Regel um die 1.000 US-Dollar kostetet. Eine Summe, die das durchschnittlichen Monatseinkommen in Turkmenistan deutlich übersteigt.

Laut dem Radiosender Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) wird offiziell aber dementiert, dass die farbliche Vorliebe des Präsidenten Grundlage der Entscheidung gewesen sei. Vielmehr sorgten dunkle Farben für verheerende Auswirkungen bei dem in Turkmenistan herrschendem subtropischen Wüstenklima, so berichtete RFL/RL. (APA)


Kommentieren


Schlagworte