Der Osttiroler Arbeitsmarkt boomt wie noch nie

Vom Sorgenkind zum Musterschüler: Die Arbeitslosigkeit in Osttirol liegt seit dem Sommer sogar unter dem Tirolschnitt.

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Egal, ob gelernt oder ungelernt, Personal wird in Osttirol zurzeit dringend gesucht, quer durch alle Branchen.
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Von Catharina Oblasser

Lienz – Die Lage am Osttiroler Arbeitsmarkt hat sich komplett gedreht. Das sagt Doris Batkowski, Leiterin des Arbeitsmarktservice (AMS) in Lienz. „Wir haben inzwischen nicht nur einen Fachkräftemangel, sondern schon einen Arbeitskräftemangel.“ Quer durch alle Branchen und Sparten würde Personal gesucht, ob mit Ausbildung oder zum Anlernen.

Osttirol war die letzten Jahrzehnte immer das Tiroler Schlusslicht in Sachen Beschäftigung. Jährliche Arbeitslosenquoten um die zehn Prozent waren keine Seltenheit. Umso überraschender präsentiert sich der Arbeitsmarkt seit einigen Monaten. Nicht einmal 1100 Vorgemerkte scheinen beim AMS für den Monat Oktober auf, so wenige wie noch nie. Und davon hat ein Teil bereits eine Beschäftigungszusage für die Wintersaison. Schon 2019 sei ein „Superjahr“ gewesen, meint die AMS-Leiterin, doch die guten Werte würden jetzt noch einmal übertroffen.

Die Zahlen geben ein eindeutiges Bild: Erreichte die Osttiroler Arbeitslosenquote im März 2021 noch 10,2 Prozent, so war sie im Juni schon auf 3,5 Prozent gesunken, die letzten Monate zeigten Werte um 3,1 oder 3,2 Prozent. Zum Vergleich: In Tirol liegt die Quote zurzeit bei 3,8 Prozent.

Eine Arbeitslosigkeit unter dem Tirol-Schnitt: Das gab es wirklich noch nie. „Bis jetzt war das für uns unvorstellbar“, erklärt auch Doris Batkowski. Heute bewegt sich der Bezirk in Richtung Vollbeschäftigung. Davon spricht man, wenn die Arbeitslosenquote drei Prozent nicht übersteigt.

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Ebenso gut hat sich die Beschäftigung entwickelt. Im Juni 2021 wurde mit 20.539 unselbstständig Beschäftigten die 20.000er-Marke geknackt und ist seither nicht wieder darunter gesunken.

Ob Corona irgendeinen Einfluss auf die Entwicklung hat, und wenn ja, welchen, könne man seriöserweise nicht sagen, meint Batkowski. Tatsache ist jedenfalls, dass es in der Industrie gut laufe, auch der Tourismus könne auf einen starken Sommer zurückblicken. „In der Osttiroler Wirtschaft gibt es eine gute Durchmischung von Sparten und Branchen, nicht nur ein einziges Standbein. Das ist sicher auch ein Vorteil“, erklärt die AMS-Leiterin.

Freilich können nicht alle über die geringe Zahl an Arbeitsuchenden jubeln. Restaurants und Gasthäuser haben ein oder sogar zwei Schließtage pro Woche eingeführt. Schilder mit der Aufschrift „Wegen Personalmangel heute Ruhetag“ sind keine Seltenheit.


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