Kunst für Amtsstuben, die sich sehen lassen kann

Von 32 Künstlerinnen und Künstlern, die sich um einen Ankauf durch die Stadt Innsbruck beworben haben, hatten 14 Erfolg.

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Angekauft: die Nr. 13 aus Charlotte Simons Serie „HIN“. Gemalt und gezeichnet mit Ölstiften, Kaffee und Aquarell auf Papier.
© Simon

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Um 70.000 Euro – vor ein paar Jahren waren es noch 100.000 – geht die Stadt Innsbruck bzw. die von ihr nominierten Juroren (heuer Ausstellungsmacherin Anette Freudenberger und Künstler Christoph Hinterhuber) jährlich bei Tiroler Künstlerinnen und Künstlern bzw. in heimischen Galerien einkaufen. Bei 14 Arbeiten in den unterschiedlichen Techniken wurde die Jury diesmal „schwach“, was der Besucher der Plattform 6020, wo das Eingekaufte – bevor es in Amtsstuben des Rathauses weiterwandern wird – zu sehen ist, durchaus verstehen kann. Ist die künstlerische Qualität doch erstaunlich hoch, genauso wie die Vielseitigkeit der kreativen Handschriften.

Da gibt es etwa minimalistische Bild- bzw. Farbräume, die in raffiniertem Minimalismus von Ernst Trawöger, Nikolaus Schletterer, Beatrix Sunkovsky und Michael Wolf auf jeweils aufregend andere Art und Weise durchdekliniert werden. Ein Paar Boxhandschuhe verwandelt dagegen Christian Egger zum eindeutig vieldeutigen Objekt, Bernhard Kathan zeichnet akribisch die „Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“ nach, während Charlotte Simon eine „Forscherin“ schwerelos einen blütigen Kosmos durchpflügen lässt.

Michael Ziegler entführt in einer neunteiligen Serie kleiner Fotos in ein Innsbruck, wie man es kaum kennt, Margarethe Drexel taucht auf höchst poetische Weise in den Mythos der steinernen Schweizer „Jungfrau“ ein. In „Blue Labyrinths“ ist Richard Höck in seinem Laserdruck unterwegs, Yasmina Haddad in einer aufgelassenen Beiruter Möbelgalerie. Dem „Geheimnis in uns“ ist Anja Manfredi in ihrem mit Fotos von Steinen bedruckten Vorhangobjekt auf der Spur. Mechanismen von Eroberung und Unterwerfung untersucht dagegen Margarethe Drexel in ihrer Arbeit, ein banaler Kühlschrank genügt Herwig Weiser als Motiv, Gefundenes collagiert Veronika Abigail Beringer zu einem vage assoziativen Setting.

Um einen Kunstankauf kann sich übrigens jede Tiroler Künstlerin/jeder Künstler beim Kulturamt der Stadt Innsbruck bewerben. 32 haben es heuer getan.

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Plattform 6020. Amraser Straße  2, Innsbruck; bis 8. Jänner, Mo, Di 14–19, Mi–Fr 10–19, Sa 10–17 Uhr


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