„Sex Work – Lock Down“: Frauen mit speziellem Beruf im Fokus

Helena Lea Manhartsbergers aktuelles Projekt „Sex Work – Lock Down“ im Innsbrucker „Reich für die Insel“.

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Von Helena Manhartsberger porträtiert: Noah (24), Studium und Sexarbeiterin.
© Helena Lea Manhartsberger

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Eine junge Frau, die ihren Hund nächtens äußerln führt, ein andere, die sich gerade ein Piercing setzen lässt, und eine dritte, die eigentlich ein dritter ist. Daran, dass es sich bei den drei von der jungen Innsbrucker Fotojournalistin Helena Lea Manhartsberger Porträtierten um Sexarbeiterinnen handelt, würde wohl niemand denken. Zu „normal“ kommen die Protagonistinnen daher, entsprechen sie zum größten Teil doch so gar nicht dem Klischee von Frauen, die ihren Körper verkaufen.

Manhartsberger, die gerade ihren Master an der Wiener Angewandten macht, mag ungewöhnliche Themen, um sie aus kritisch feministischer Sicht zu sezieren. Schon vor einigen Jahren, als sie mit ihrem Projekt „Tirolesia“ einen interkulturellen Dialog zwischen Indonesien und Tirol anzuzetteln versuchte, oder im vergangenen Jahr mit ihrem Film „Ultralust“, dem Porträt einer jungen Transgenderperson, für das sie beim renommierten Lumix-Festival den „Digital Storytelling Award“ eingeheimst hat.

Zu ihrem aktuellen Projekt „Sex Work – Lock Down“ sei sie eigentlich durch Zufall gekommen, sagt die in Wien lebende Lanserin anlässlich der Eröffnung ihrer Ausstellung im Innsbrucker „Reich für die Insel“. Wissend, wie heikel dieses Thema ist, gerade in Zeiten von Corona. In denen sich die Probleme, die Sexarbeiterinnen auch in „normalen“ Zeiten haben, noch krass verstärkt hätten.

Rund ein Jahr lang war Manhartsberger meist gemeinsam mit Streetworkerinnen am Straßenstrich, in Clubs und Laufhäusern unterwegs. Das Ergebnis sind 17 Porträts von Sexarbeiterinnen, aber auch Kunden und Betreibern einschlägiger Etablissements. Sensibel inszeniert von der Fotografin gemeinsam mit den Fotografierten. Denn wer sich hier vielleicht ein pornografisches Setting erwartet, wird enttäuscht. Setzen sich die Sexarbeiterinnen doch nicht als Opfer, sondern als stolze, selbstständige Frauen mit oft schwierigen Biografien ins Bild.

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In ihrem Buch „Sexarbeit“, von dem es bisher leider nur einen Prototyp gibt (wo sind die mutigen Verleger?), taucht Manhartsberger in Wort und Bild tief ein in die komplexe Problematik. Um besonders durch die mit den Porträtierten geführten Interviews mit Schicksalen zu konfrontieren, die zutiefst berühren.


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