Altes Handwerk für neue Kunst im BG/BRG Sillgasse

Natur- und Kulturwissenschaft treffen auf Tradition: Habima Fuchs’ fünf farbige Vitragen wurden am Neubau des BG/BRG Sillgasse installiert.

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Im Erdgeschoß startet Habima Fuchs’ künstlerisches Farbleitsystem mit der ersten Vitrage.
© G. R. Wett

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Rund drei Jahre lang wurden die 800 SchülerInnen des BG/BRG Sillgasse im Containerdorf in der Technikerstraße unterrichtet, Anfang September kehrten sie in ihre Schule mitten im Stadtzentrum zurück. Und zogen damit in einen Neubau von SOLID architecture ein – in einen spektakulären, in drei Bauteile gegliederten Baukörper. Rund 28 Millionen Euro investierte die Bundesimmobiliengesellschaft im Auftrag des Bildungsministeriums dafür. Zum Neubau gehört auch ein subtiles, dennoch weit strahlendes Kunst-am-Bau-Projekt, das vor Kurzem auf fünf Ebenen der Schule installiert wurde.

Die Glasobjekte stammen von der tschechischen Künstlerin Habima Fuchs, die für BIG Art – die Kunstinitiative der Bundesimmobiliengesellschaft – das Projekt „Compromising the Universe“ entworfen hat. Wie bei allen Aufträgen von BIG wird in einem geladenen Wettbewerb über ein geeignetes Werk entschieden. Fuchs setzte sich gegen fünf andere MitbewerberInnen durch. Die Jury überzeugte ihre „künstlerische Brücke zwischen Naturwissenschaft, Mathematik und Kulturwissenschaft“.

Seit Jahren beschäftigt sich die Künstlerin in ihrer Arbeit mit der Fünf-Elemente-Lehre, die fest in der traditionellen chinesischen Philosophie verankert ist. Anders als bei den im westlichen Kulturraum bekannten vier Elementen Luft, Wasser, Feuer, Erde kennt die fernöstliche Lehre Metall, Holz, Erde, Feuer und Wasser als zentrale Kategorien an, in denen alle wahrnehmbaren Phänomene Platz finden. Auch in Fuchs’ neuestem Projekt für Innsbruck kommt dieses Konzept zum Tragen: Jedes Stockwerk des Gebäudes wird durch ein Glasobjekt einem Element zugeordnet, ebenso wie einem Platonischen Körper, also einer Struktur mit größtmöglicher Symmetrie. Im Zusammenfließen von naturwissenschaftlichen und kulturwissenschaftlichen Aspekten referiert die Künstlerin auch auf die Ausrichtung des Gymnasiums. Außerdem wird jedes Stockwerk von den Glasarbeiten farblich eingefasst, ein künstlerisches Farbleitsystem entsteht.

Für Habima Fuchs ist die Materialwahl in diesem Projekt eine bewusste: Erst das durchs Glas eindringende Licht färbt die umliegenden Lernzonen. Mit der Vitrage bringt die Künstlerin außerdem den Aspekt der Tradition ins Spiel: Seit 1861 werden in der Tiroler Glasmalerei und Mosaik-Anstalt Bleiglasfenster hergestellt und restauriert. Nach dem gleichen Prinzip ließ Habima Fuchs ihre Vitragen herstellen, allerdings in ihrer Heimat Tschechien.

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Ein sehr technisches und weitaus umfassenderes Projekt setzt BIG Art derzeit übrigens am neuen Büro- und Lehrgebäude der Uni Innsbruck am Innrain um. Am zentralen Eingangsportal erstreckt sich der „Zeitbogen“ des Tiroler Künstlers Peter Sandbichler als riesige, skulpturale Intervention. Ein ornamentales Muster von 200 Pyramiden stempelt sich dabei von unten in die Architektur. Noch wird gebaut: Im Herbst 2022 soll auch dieses Projekt abgeschlossen werden.


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