„Mobiles Bethaus“ gegen Antisemitismus in Innsbruck beschädigt

Die am Jahrestag der Pogromnacht eröffnete Installation am Innsbrucker Landestheatervorplatz wurde beschädigt. Vorerst gibt es keine Hinweise auf einen antisemitischen Hintergrund.

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Die Hintertür zum „Mobilen Bethaus“ wurde aufgebrochen.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Erst am Dienstag, dem Jahrestag der Pogromnacht von 1938, wurde das „Mobile Bethaus“, eine temporäre Installation der beiden Künstler Luis Rivera und Oskar Stocker, am Innsbrucker Landestheatervorplatz eröffnet. In der Nacht auf Donnerstag haben Unbekannte das Kunstwerk beschädigt.

Das zentrale künstlerische Element im Inneren wurde beschädigt.
© Thomas Böhm

Beim „Bethaus“ (zu sehen bis 26. 11.) handelt es sich um eine begehbare Installation mit dem Grundriss eines Davidsterns. Sie ist als künstlerisches Statement gegen Antisemitismus konzipiert und stand zunächst am Grazer Hauptplatz.

Während Monitore an der Außenseite des Pavillons u. a. an die Namen aller 106 in der Pogromnacht überfallenen Innsbrucker Jüdinnen und Juden erinnern, soll der Innenraum zum Schweigen oder Beten einladen. Zentrales Element ist eine Säule mit „Spiegelkapitell“ – laut Künstlern ein Angebot zur „Selbstreflexion“ an die Besucher.

Genau dieses Element wurde, erst auf den zweiten Blick erkennbar, in der Nacht auf Donnerstag beschädigt. Den Schaden bemerkt hat Stefan Gritsch, Sekretär der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) für Tirol und Vorarlberg: Die Tür am Hintereingang des Pavillons sei aufgebrochen und dann die filigranen Säulen, auf denen das Spiegelelement ruht, so verbogen und verdreht worden, dass dieses nicht mehr stabil stehe. „Sie müssen abmontiert und neu verschweißt werden“, erklärt Gritsch, der Anzeige bei der Polizei eingebracht hat.

Nachdem im näheren Umfeld offenbar weitere Beschädigungen erfolgten, könne man „hoffen und annehmen“, dass es sich höchstwahrscheinlich um keine Tat mit antisemitischem Hintergrund handle, meint IKG-Präsident Günter Lieder. Jedenfalls gab es sofort eine Vielzahl an Reaktionen, u. a. verurteilten Für Innsbruck, SPÖ und Grüne den Vandalenakt in Aussendungen scharf. Gemeinderäte fanden sich auch vor Ort ein. Für Lieder zeigt dies, dass in Innsbruck erfreulicherweise „ein hohes Maß an Sensibilität“ herrsche. (md)


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