Leiharbeiter fühlten sich wie „Sklaven“ behandelt

Studie der Uni Wien: Flüchtlinge wurden als Leiharbeiter bei Hygiene Austria und in Post-Lager ausgebeutet. AK: Firmen nutzen Notlage aus.

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Gegen die österreichische Maskenfirma Hygiene Austria ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft.
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Wien – Die Leiharbeitsverhältnisse beim Maskenproduzenten Hygiene Austria und teilweise auch im Post-Verteilzentrum Inzersdorf haben zur Ausbeutung der dort beschäftigten Migranten, großteils Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien, geführt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Wien, die von der Arbeiterkammer gefördert wurde. „Die Unternehmenserfolge beruhen nicht unwesentlich auf Leiharbeit“, so Studienautorin Johanna Neuhauser.

Hygiene Austria war von Palmers und Lenzing zu Beginn der Corona-Pandemie gegründet worden, geriet aber im März 2021 infolge einer Hausdurchsuchung im Zuge von Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wegen des Verdachts der organisierten Schwarzarbeit sowie schweren gewerbsmäßigen Betrugs massiv unter Druck. Die Firma räumte ein, FFP2-Masken zwar als „Made in Austria“ beworben, einen Teil davon aber in China zugekauft zu haben.

Uni-Studienautorin Neuhauser hat 15 Betroffene interviewt und berichtete von unzähligen Missständen. So hätten bei der Hygiene Austria Leiharbeiter nach der Nachtschicht bleiben müssen, wenn nicht genug Kollegen für die Frühschicht gekommen seien. Weder Post noch Hygiene Austria hätten Erschöpfung als Grund für eine kurze Pause akzeptiert.

Bei der Hygiene Austria seien Maschinen schneller gestellt und Sicherheitsmaßnahmen ausgeschaltet worden. Ein Mitarbeiter schnitt sich einen Teil seines Fingers ab. Die Befragten schilderten, dass sie sich wie „Sklaven“ oder „Tiere“ behandelt fühlten.

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Viele fielen um Überstunden und Teile ihres Geldes um. Neuhauser sagte, auf Basis der von Hygiene Austria an die Leiharbeitsfirmen geleisteten Zahlungen sei eine korrekte Arbeitskräfteüberlassung nicht möglich gewesen.

Die prekären Arbeitsverhältnisse haben Neuhauser zufolge auch den Corona-Cluster bei der Post mitverursacht. Aus Angst vor Kündigung seien die Leiharbeiter krank zur Arbeit gekommen. Viele der Betroffenen hätten die Jobs nur deshalb gemacht, weil sie keine Alternativen hatten. Einer musste etwa für die Wiener Einwanderungsbehörde MA 35 drei Lohnzettel vorweisen, ein anderer seiner Familie in der Heimat helfen. Das Asylrecht und ein eingeschränkter Arbeitsmarktzugang dränge Migranten in solche Jobs, von Unternehmen werde diese Notlage ausgenützt.

Die Post erklärte, man erfülle für Zeitarbeitskräfte die gleiche Sorgfaltspflicht wie für das Stammpersonal. Alle Mitarbeiter seien aufgefordert worden, keinesfalls krank den Dienst anzutreten.

Der Leiter des AK-Rechtsschutzes, Ludwig Dvorak, sagte, dass sich die Unternehmen mit Leiharbeit aus ihrer Verantwortung stehlen würden. Er drängt daher auf eine lückenlose Haftung der Auftraggeber. „Es muss der zahlen, der von diesem System profitiert“, so der Arbeitsrechtsexperte. Die Arbeiterkammer führt mittlerweile 118 Gerichtsverfahren in Sachen Hygiene Austria. (APA)


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