Olympiasiegerin Gasser bei „Tirol Live“: „Es passiert alles aus einem Grund“

Anna Gasser im „Tirol Live“-Interview über Risikomanagement, Unbeirrbarkeit, Erfolg und ihr Urvertrauen ins eigene Können.

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Nicht ohne ihre Flauschmütze – Anna Gasser präsentierte stolz den Dokumentarfilm über ihren kometenhaften Aufstieg.
© Tirol TV

Innsbruck – Anna Gasser trägt ein großkariertes Wollhemd und eine überdimensionale Flauschmütze mit Sponsoren-Logo. „Wir kommen aus Wien – und da war’s ziemlich kalt und neblig“, lacht Österreichs Snowboard-Königin. Nachdem sie am Vortag ihren Dokumentarfilm „Anna Gasser – The Spark Within“ (der innere Funke) im Filmcasino Wien präsentiert hatte, folgte gestern die cineastische Premiere im Innsbrucker Cineplexx. Dazwischen nahm sich die 30-jährige Kärntnerin Zeit, im „Tirol Live“-Interview mit TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern über ihren Film und ihren bis dato märchenhaften Karriereweg zu plaudern.

Eine Karriere, die für die einstige Turnerin erst mit 18 Jahren startete. Für viele Szenekenner zu spät. Viel zu spät. Doch eine wie Gasser schaufelte sich im besten Sinne des Wortes ihren ganz persönlichen Pfad frei, ging alleine in die USA, schlief zuweilen im Auto und arbeitete Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat an ihrem Traum: die beste Snowboarderin der Welt zu werden.

📽️ Video | Anna Gasser in „Tirol Live“

Heute, mit 30, ist sie Olympiasiegerin, Weltmeisterin, dreifacher X-Games-Champion und jene Frau, die am 13. November 2018 am Stubaier Gletscher erstmals einen Cab Triple Underflip (dreifacher Rückwärtssalto mit 180-Grad-Drehung, Anm.) stand und damit Geschichte schrieb. Einen Sprung, welchen sie im Jänner 2020 bei den X-Games in Aspen auch als erste Frau in einem Contest stehen wollte – und dabei krachend scheiterte. Wie überhaupt ihr kometenhafter Aufstieg von wiederholtem Scheitern und zahlreichen Verletzungen geprägt war. Gasser erinnert sich im „Tirol Live“-Gespräch auch an ihre Halswirbelverletzung, die sie sich just bei einem Trainingssprung in eine Schnitzelgrube in Copper Mountain (USA) zugezogen hatte. Das war im Jänner 2016, als sie sich das einzige Mal die Sinnfrage stellen sollte. Die Antwort fiel nach Wochen des Zauderns und Nachdenkens eindrucksvoll aus. Sie trickste sich im darauf folgenden Winter von Erfolg zu Erfolg.

Anna Gasser in ihrem Element.
© Red Bull/Sam Strauss

Wenn der Familienmensch ihre eigene Dokumentation in Spielfilmlänge sehe, sei es ein bisschen unreal. „Sich selbst zu sehen und zu hören, ist immer komisch. Ich werde mich nie daran gewöhnen“, sagte die Kärntnerin, um im nächsten Atemzug den Stolz über das Projekt nicht verhehlen zu wollen. Ein Projekt übrigens, welches für ein Jahr anberaumt war und letztlich das Dreifache an Zeit beanspruchte. „Durch Corona und Verletzungen hat es eben länger gedauert, aber es passiert alles aus einem Grund“, versicherte sie. „Und dass die Doku jetzt im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking herauskommt, ist natürlich cool, dann können mir noch mehr Leute die Daumen drücken.“ Sagte sie und stand im Anschluss noch der TT Rede und Antwort in einem ausführlichen Interview. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. (m. i.)


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