Medientag der Uni Innsbruck: Mit der Macht der Daten

Was passiert mit unseren digitalen Spuren, wer nutzt sie politisch aus, wie schützt man seine Daten? Darüber sprechen Experten am Medientag der Uni Innsbruck.

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Facebook verpasst sich als „Meta“ einen neuen Anstrich, doch das wichtigste Gut des Konzerns bleibt dasselbe: die Daten der Nutzer.
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Von Matthias Christler

Innsbruck –In den ersten Corona-Lockdowns konnte durch Ortungsdaten von Smartphones festgestellt werden, wie sich das Mobilitätsverhalten der Österreicher verändert. Die Daten waren anonymisiert, trotzdem zeigte sich, was möglich ist und wie sie in anderen Staaten – siehe China – politisch missbraucht werden. Praktisch jeder, der ein Smartphone besitzt, hinterlässt digitale Spuren. Am Medientag der Universität Innsbruck am kommenden Donnerstag sprechen Experten wie die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig über „DataPolitics – Umgang mit Daten im digitalen Zeitalter“.

Ingrid Brodnig (Autorin und Journalistin): „Wenn es um Technik und ihre Möglichkeiten geht, muss man auch über ihr Missbrauchspotenzial reden.“
© Gianmaria Gava

Brodnig verweist im Gespräch mit der TT auf eine Studie zu den US-Kongresswahlen 2010, bei der untersucht wurde, ob eine Plattform wie Facebook die Wahlbeteiligung beeinflussen kann. „Bei der Wahl wurde 60 Millionen Facebook-Usern ab 18 am Wahltag eingeblendet, dass heute Wahl ist und welche Freunde schon angaben, dass sie bei der Wahl waren. Die Wahlbeteiligung stieg dadurch um 0,39 Prozent“, sagt die Autorin von Büchern wie „Übermacht im Netz“.

Eine höhere Wahlbeteiligung sei an sich gut, „ich glaube auch nicht, dass Facebook diese Macht, die es hier hat, missbrauchen möchte. Aber grundsätzlich ist das schon bemerkenswert, wenn eine Plattform so viel Einfluss hat. Immer wenn es um Technik und ihre Möglichkeiten geht, muss man auch über ihr Missbrauchspotenzial reden.“

Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen appelliert an die Politik, den Konzern strenger zu kontrollieren.
© AFP

Vor allem rund um Facebook wird das derzeit getan. Die frühere Mitarbeiterin und Whistleblowerin Frances Haugen, die mit internen Unterlagen ihr zufolge belegt, dass der Konzern Profite über das Wohl seiner Nutzer stellt, war vergangenen Montag bei einer Anhörung im Europaparlament in Brüssel. Haugen hofft, dass die EU strenge Regeln für Online-Konzerne einführt.

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Trotz Berichten wie jenem von Haugen oder dem Cambridge-Analytica-Skandal (Daten von Facebook-Nutzern wurden für Wahlkämpfe missbraucht) gibt es keinen Massen-Exodus von der Plattform. Brodnig erklärt sich das so: „Ein Unternehmen, das viele Konsumenten hat, ist umso anziehender für andere Konsumenten. Das ist ein Netzwerkeffekt, weswegen man sich schwertut, von Facebook oder WhatsApp loszukommen.“

Die Politik setzt in Wahlkämpfen nicht nur auf Nähe (r.), sondern auch auf digitale Daten.
© TT/Böhm

Politischen Parteien kann es nur recht sein, wenn potenzielle Wähler viele digitale Daten hinterlassen. In Österreich, so Brodnig, habe man in den letzten Jahren eine Professionalisierung bei digitalen Wahlkämpfen gesehen, „stark damit gearbeitet hat die ÖVP, indem sie auf Datenbanken mit Fans bzw. Superfans zurückgegriffen hat.“ Das bedeutet: Es wurde analysiert, wie jemand mit der Partei auf Facebook oder WhatsApp agiert, und so eine sehr clevere Datenbank aufgebaut.

„Je besser ich über meine Community Bescheid weiß, desto eher weiß ich, welchem Superfan ich fünf Mails am Tag schreiben kann und welchem Fan nur eine, ohne ihn zu vergraulen. Das sind kleine Tricks, die in einem Wahlkampf helfen können“, sagt Brodnig.

Medientag der Universität Innsbruck am 18. November

  • Termin: Am kommenden Donnerstag, dem 18.11.2021, ab 17 Uhr werden in der Aula der Universität Innsbruck Experten über das Thema „DataPolitics – Umgang mit Daten im digitalen Zeitalter“ diskutieren.
  • Experten: Im Zentrum stehen dabei die Vorträge von Ingrid Brodnig, Journalistin und Autorin, von Oliver Leistert, Medienwissenschafter an der Leuphana Universität Lüneburg, sowie von Stefan Wacker, Digitalexperte und Berater für digitale Wahlkämpfe.
  • Programm: 17 Uhr: Eröffnung Tilmann Märk (Rektor Universität Innsbruck), Theo Hug (Medienforum Innsbruck) Hermann Petz (CEO Moser Holding) Clemens Pig (CEO APA). Ab 17.30 Uhr: Impulsvorträge der Experten, in der Pause um 18.30 Uhr Ausstellung von Illustrator Christoph Pirker. Ab 19.15 Uhr: Podiumsdiskussion mit Stefan Wacker, Ingrid Brodnig, Oliver Leistert, Moderation: David Runer (ORF).
  • Teilnahme: Vor Ort ist die Besucherzahl beschränkt, Restplätze vorhanden, der Eintritt ist kostenlos. Die Veranstaltung findet unter den aktuellen Hygienebestimmungen der Uni Innsbruck statt. Der Medientag kann auch im Livestream verfolgt werden. Anmeldung und Livestream unter www.tt.com/medientag

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