Nachtgastro will Hilfen und Planungssicherheit: Ja zu „2G+"

Schon von März 2020 bis Ende Juni 2021 war die Nachtgastro geschlossen, nun droht der Branche neues Ungemach. Noch hat die Regierung die Karten aber nicht auf den Tisch gelegt.

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Der Nachtgastronomie drohen wieder Sperrstunden und andere Beschränkungen.
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Wien – Die Nachtgastronomen rufen angesichts womöglich drohender nächtlicher Corona-Ausgangssperren nach einem eigenen Unterstützungspaket für ihre Branche mit bundesweit 80.000 Beschäftigten und allein in Wien einer Milliarde Jahresumsatz vor der Pandemie. Schon von März 2020 bis Ende Juni 2021 war die Nachtgastro geschlossen, nun hat man durch die angekündigte Wiener „2G-Plus"-Regel – Zutritt nur geimpft, genesen und PCR-getestet – 30 bis 40 Prozent Gästeschwund registriert.

„Man müsste ein eigenes Unterstützungspaket für die Nachtgastronomie schnüren, um sie am Leben zu halten", sagte der Branchensprecher Stefan Ratzenberger am Montag im APA-Gespräch. Ein Umsatzersatz sollte sich an den Vergleichszahlen von 2019 orientieren, bei jenen, die erst Anfang 2020 aufgemacht hätten, an den heurigen Umsätzen von Juli bis Oktober. Zudem sollte man die Reduktion der Umsatzsteuer auf 5 Prozent, von der im Sommer 2020 die Tagesgastronomie profitiert habe, auch auf die Nachtgastronomie ausweiten und bis Ende 2022 verlängern. „Das würde die Branche beruhigen."

Planbarkeit und Perspektive gefordert

Die Unternehmen der Nachtgastronomie bräuchten „eine Planbarkeit und Perspektive", das sei „das Um und Auf". Bereits die Wiener 2Gplus-Regelung werde einen Rückfall bei den Gästen und Umsätzen bringen, auch wenn es gerade in der Bundeshauptstadt schon seit vielen Monaten gute Erfahrungen mit den „Alles Gurgelt"-PCR-Testungen gebe.

Das ganz junge Publikum werde in den Privatbereich ausweichen statt in Klubs oder Discos zu gehen. Ältere würden sich fragen, ob sie sich zeitgerechte Tests für einen Lokalbesuch antun, am ehesten würden das noch 25- bis 30-jährige tun. Eine PCR-Regelung sei aus seiner Sicht noch immer besser als ganz zu schließen, meinte Ratzenberger – obwohl man mehr Hilfen bekomme, wenn man ganz zugesperrt habe. Allerdings: Wenn einmal zu ist, dann bleibe das erfahrungsgemäß lange so.

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Dass einerseits Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) in den nächsten Tagen über eine nächtliche Ausgangssperre für alle reden wolle, Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) aber zuletzt ausschloss, dass man bei der Nachtgastronomie nachschärfe, sei verwirrend. „Wir brauchen klare Ansagen", fordert der Branchensprecher.

Ruf nach einem runden Tisch

„So schnell wie möglich sollte ein runder Tisch einberufen werden", unter Ägide von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), gemeinsam mit Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und dem Gesundheitsminister. Wie bei früheren derartigen Gipfeln sollte es auch diesmal um die Perspektiven für den gesamten Gastronomiebereich bis hin zu Stadthotellerie, Kunst und Kultur und den übrigen Eventveranstaltern gehen, wünscht sich Ratzenberger.

Österreichweit gibt es nach früheren Angaben rund 2900 Bars, Tanzlokale und Diskotheken, wobei Discos und Clubs erst ab 22 Uhr aufsperren dürfen, bei nächtlichen Ausgangsbeschränkungen also zu bleiben müssten und „einen wirtschaftlichen Totalschaden" hinnehmen müssten, so Ratzenberger. Von den bundesweit rund 80.000 Mitarbeitenden in der Nachtgastro stammen seinen Angaben zufolge etwa 60.000 aus dem studentischen Bereich, meist als geringfügig Beschäftigte. Weil es für Geringfügige keinen Anspruch auf Corona-Kurzarbeitsgeld gebe, hätten viele von ihnen auch schon die Branche verlassen. (APA)


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