Tiroler Opposition geißelt Regierung, fordert Sofortmaßnahmen

FPÖ, NEOS und Liste Fritz fordern von der Landesregierung schnelles Handeln gegen die Corona-Welle. Dazu zählen Maßnahmen wie Tests in Alten- und Pflegeheimen oder Booster-Impfungen für Lehrer. Ein Misstrauensantrag steht im Raum.

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Liste-Fritz-Obfrau Andrea Haselwanter Schneider.
© TT/Rudy De Moor

Innsbruck – Zu einem Frontalangriff auf die schwarz-grüne Landesregierung wegen des Corona-Managements haben am Montag die Tiroler Oppositionsparteien FPÖ, NEOS und Liste Fritz angesetzt. Sie orten blankes Chaos und fordern in einem Landtags-Dringlichkeitsantrag "Sofortmaßnahmen" wie Tests in Alten-und Pflegeheimen und Booster-Impfungen für Lehrer. Sollte Schwarz-Grün dem nicht zustimmen, wurde ein Misstrauensantrag in den Raum gestellt, die FPÖ will gar den Staatsanwalt einschalten.

Versäumnisse und Überforderung noch und nöcher – das ist der Befund der Oppositionsparteien, der in dem Dringlichkeitsantrag gipfelt, der diese Woche bei den beiden Landtagssitzungen eingebracht wird. Schwarz-Grün habe angesichts der derzeitigen Corona-Lage quasi kapituliert, kritisierte Liste Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider bei einer Pressekonferenz mit ihren Oppositionskollegen. "Es kann nicht sein, dass alles aufgegeben wird", zeigte sie sich empört. Die Oppositionspolitikerin spielte unter anderem darauf an, dass vergangene Woche bekanntgegeben worden war, dass das Contact-Tracing in Tirol nicht mehr im bisherigen Ausmaß aufrechtzuerhalten ist und nur mehr positiv getestete Menschen behördlich abgesondert werden.

"Mir ist das Gesicht eingeschlafen, als ich hörte, dass es nicht einmal mehr Absonderungsbescheide gibt", zeigte sich NEOS-Klubchef Dominik Oberhofer nicht minder empört. Auch sei es unglaublich, dass mittlerweile nicht einmal mehr ein Testmanagement in Alten- und Pflegeheimen existiere, ergänzte Haselwanter-Schneider.

Tiroler NEOS-Chef Dominik Oberhofer.
© Rudy De Moor

Testmanagement in Alten- und Pflegeheimen gefordert

Letzteres aufzustellen, sei eine der acht "selbstverständlichen" Forderungen, die in dem Dringlichkeitsantrag formuliert sind. Es müsse überdies dringend das Contact-Tracing personell aufgestockt und die Bezirkshauptmannschaften wieder miteingebunden werden. Auch Booster-Impfungen für das Lehrpersonal im Pflichtschulbereich, beschleunigte und unkomplizierte "Dritter Stich"-Impfungen wie in Wien und die Übernahme des Wiener-Konzepts "Alles gurgelt" listeten Oberhofer und Haselwanter-Schneider als oppositionelle Forderungen auf. Zudem sei es das mindeste, allen abgesonderten Personen, auch K1-Personen, weiterhin Bescheide der Behörde auszustellen.

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"Es führt uns niemand", ging auch der NEOS-Frontmann mit Schwarz-Grün im Allgemeinen und mit LH Günther Platter sowie Gesundheitslandesrätin Annette Leja (beide ÖVP) im Speziellen scharf ins Gericht. Darüber hinaus laboriere Elmar Rizzoli, Vorstand des Tiroler Zentrums für Krisen und Katastrophenmanagements, offenbar an "Überarbeitungssymptomen". "Es ist keine Politik, der FPÖ in Sachen Corona alles in die Schuhe zu schieben", richtete Oberhofer den schwarz-grün Verantwortlichen aus. Dass es etwa in der zweitgrößten Stadt Tirols, Kufstein, keine eigene Impfstraße gebe, sei unfassbar.

FP-Landesparteichef Markus Abwerzger.
© Thomas Boehm / TT

"Kommunikatives Chaos" in der Landesregierung

Innsbrucks FPÖ-Stadtrat und Stadtparteiobmann Rudi Federspiel, der den mit Corona infizierten Landesparteichef Markus Abwerzger vertrat, attestierte der Landesregierung ein "kommunikatives Chaos". Sie gehöre "in die Wüste geschickt", sollte sie nicht fähig sein, endlich zu handeln. Federspiel bemängelte beispielsweise, dass es teilweise ewig dauere, bis Menschen einen PCR-Testtermin bekommen würden. Offen warb Federspiel für das Impfen, es bleibe aber die Entscheidung jedes Einzelnen, sich impfen zu lassen. Als Gegenposition zu FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl, wollte das blaue Urgestein dies nicht dargestellt wissen - schließlich habe dieser noch nie zum Nicht-Impfen aufgerufen.

Sollte Schwarz-Grün im Landtag dem Dringlichkeitsantrag nicht zustimmen, will sich Federspiel nicht mit einem Misstrauensantrag gegen die Regierung begnügen. Dann werde die FPÖ eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft wegen Unterlassung einbringen, kündigte er an. Oberhofer trat in diesem Fall vehement für einen Misstrauensantrag ein, Haselwanter-Schneider will sich dem "nicht verschließen". Die Tiroler SPÖ-Spitze war übrigens am Montag bei dem Pressegespräch nicht vertreten. Sie habe "signalisiert, dass sie daran kein großes Interesse hat", so Haselwanter-Schneider. (APA)


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