Gemeinde Prutz glänzt im Wettstreit der Dörfer und holt Gold

Beim Europäischen Dorferneuerungspreis werden die schönsten Gemeinden Europas gekürt – Prutz hatte ein goldenes Händchen.

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Im Sommer besuchte unter anderem eine Delegation Prutz, um sich ein Bild von der Gemeinde zu machen. Für Begeisterung sorgte unter anderem der zur Kultureinrichtung umfunktionierte Winklstadl.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Prutz – Wer ist die Schönste im ganzen Land? Die Frage stellt sich nicht nur die böse Stiefmutter von Schneewittchen, sondern auch die Europäische Arge Landentwicklung und Dorferneuerung. Alle zwei Jahre kürt sie mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis die hervorragendsten Gemeinden Europas.

Märchenhaft ist nun auch das Ergebnis der Gemeinde Prutz, die als Tiroler Teilnehmer ins Rennen geschickt wurde. Die Obergrichter holten sich Gold. „Wir haben das Ergebnis vor circa einer Woche bekommen“, glänzt da auch Bürgermeister Heinz Kofler – vor Freude.

Die Hürde für seinen Ort war hoch. 2016 hatte nämlich mit Fließ ein Nachbar von Prutz den Gesamtbewerb gewonnen. Die Erwartungen waren deshalb von Beginn an gedämpft. Man rechnete nicht damit, dass in knappem Abstand zwei Gemeinden aus derselben Region gewinnen würden.

Dieses Mal matchten sich 26 Teilnehmer um die Auszeichnung – mit dabei Dörfer zwischen Garnich in Luxemburg, Setomaa in Estland und Brda in Slowenien. Der Wettbewerb, der eigentlich 2020 abgewickelt werden sollte, wurde Corona-bedingt verschoben. Den Gesamtsieg holte sich nun die „Allianz Hofheimer Land“. Dabei handelt es sich um sieben bayerische Kommunen, die freiwillig zusammenarbeiten und so ihre Kräfte bündeln. Den „Sonderpreis zur Ermutigung“ erhielten Dernau, Mayschoß und Rech, drei Dörfer in Rheinland-Pfalz, die heuer von einem katastrophalen Hochwasser heimgesucht worden waren.

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„Prutz war in der engeren Auswahl zum Sieger dabei“, betont man gestern seitens der Arge, quasi ein Siegesanwärter. Die Gemeinde hatte in allen Bereichen brilliert. Dafür wurde sie – wie sechs andere Kommunen – mit dem Dorferneuerungspreis in Gold belohnt, darunter auch ein zweiter österreichischer Ort: Großschönau in Niederösterreich.

Bewerbungsschreiben war 48 Seiten lang

Der Aufwand zur Einreichung war riesig, erinnert sich Kofler im Nachhinein. 48 Seiten stark war allein das Bewerbungsschreiben. Im Sommer war dann eine Delegation vor Ort und ließ sich durch Prutz führen. Und die fand viel Nachahmenswertes: „Insgesamt werden in Prutz durch eine Vielzahl an lokalen Maßnahmen adäquate Antworten auf globale Herausforderungen gegeben“, stellte die Jury in ihrer Entscheidung fest. Sie lobte die „umfassende dörfliche Entwicklung“, die „zahlreichen Revitalisierungsprojekte im verkehrsberuhigten Ortszentrum“, „die kulturellen Aktivitäten“ und die „Einbindung junger Menschen“.

„Ich bin froh, dass wir Gold gemacht haben“, sagt Bürgermeister Kofler – „noch froher bin ich aber darüber, dass wir nicht noch mehr gemacht haben“, schmunzelt er. Als Gesamtsieger muss man nämlich die nächste Verleihungsfeier ausrichten – nicht nur organisatorisch, sondern auch finanziell ein Kraftakt. Die Verleihung zum diesjährigen Wettbewerb findet voraussichtlich im kommenden Mai in Hinterstoder, dem Sieger des Wettbewerbs von 2018, statt. In Prutz sind unterdessen die Bagger aufgefahren. Es wird wieder an der „Verschönerung“ des Ortes gebaut – mit einer Unterführung soll die viel befahrene Reschenstraße verkehrsberuhigt werden.


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