Lehrlingsmonitor: Jeder dritte Lehrling mit Ausbildung unzufrieden

36 Prozent der Befragten fühlen sich nicht ausreichend vorbereitet, um als Fachkraft in einem anderen Betrieb als dem Ausbildungsbetrieb zu arbeiten.

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Wien – Nur für zwei von drei Lehrlingen sind die Lehr- und Lernbedingungen im Betrieb gut. So lautet das Ergebnis des österreichischen Lehrlingsmonitors von Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund und Gewerkschaftsjugend. Die Zufriedenheit hängt demnach stark mit der Branche zusammen. Schlecht ist sie vor allem in Tourismus- und Handelsberufen. Insgesamt ist die Zustimmung zum Verbleib im erlernten Lehrberuf mit 76 Prozent höher als zum Verbleib im Ausbildungsbetrieb mit 68 Prozent.

Illegale Überstunden

29 Prozent der Befragten mussten Überstunden machen – für unter 18-Jährige ist das verboten. "Besonders häufig sind Lehrlinge in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben, sowie im Tourismus und der Gastronomie gezwungen, Überstunden zu leisten", so Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund und Gewerkschaftsjugend heute in einer Aussendung.

36 Prozent der Befragten fühlten sich nicht ausreichend vorbereitet, um als Fachkraft in einem anderen Betrieb als dem eigenen Ausbildungsbetrieb zu arbeiten. Überdurchschnittlich stark haben Lehrlinge dieses Gefühl in den Berufen Koch/Köchin, ElektrotechnikerIn, FriseurIn, Gastronomiefachfrau/mann und MalerIn/BeschichtungstechnikerIn.

"Generell gibt es für ein Drittel der Befragten keine regelmäßige Besprechung des Ausbildungsfortschritts. Das betrifft kleine Betriebe häufiger, während in großen Betrieben der Ausbildungsfortschritt öfter besprochen wird. Viele Lehrlinge werden somit allein gelassen", kritisieren die Kammer und Gewerkschaften.

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Von den ausbildungsfremden Tätigkeiten habe nicht einmal die Hälfte wenigstens indirekt etwas mit dem jeweiligen Handwerk zu tun. "Viele Lehrlinge werden häufig für den privaten Bedarf von Unternehmern eingesetzt, quasi für Pfusch" heißt es im Monitor. Weil ein Teil der Unternehmen säumig sei, fordern AK, ÖGJ und ÖGB unter anderem einen Kompetenzcheck zur Mitte der Ausbildung mit Feedback an Lehrlinge und Lehrbetriebe und eine Reform der Ausbildner-Ausbildung.

Gut 21.000 Jugendliche suchen derzeit eine Lehrstelle in einem Betrieb. Entweder sind sie beim Arbeitsmarktservice als lehrstellensuchend vorgemerkt, machen eine Schulung oder sind in Ausbildung in der öffentlich finanzierten überbetrieblichen Ausbildung. Dem stehen rund 10.000 offene Lehrstellen gegenüber.

Das Österreichische Institut für Berufsbildungsforschung hat für den Monitor die Angaben von gut 4100 Lehrlingen im letzten Lehrjahr und von knapp 2000 Lehrlingen in der Anfangsphase ausgewertet (November 2020 bis Mai 2021). (APA)


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