Scrooge im Landestheater: Weihnachten ist kein Humbug

Dickens’ Weihnachtsgeschichte im Landestheater ist ein Erlebnis für alle. Zu sehen an den Wochenenden.

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In der Weihnachtsnacht findet Geizhals Scrooge keinen Schlaf. Und am Morgen ist er ein ganz Neuer.
© Gufler

Innsbruck – Ebenezer Scrooge hasst Weihnachten. Hauptberuflich quasi. Denn die besinnliche Zeit mit all dem „Humbug“, den Umarmungen, dem Feiern und den Geschenken hält ihn vom Arbeiten, vom Geldscheffeln ab. Sein Warenhaus läuft gut, noch besser, wenn alle ihre Schulden bezahlen würden. Aufschübe oder Nachlass gibt es bei Scrooge nicht. Denn der Urvater unter Weihnachtshassern ist nicht nur gierig, sondern auch geizig.

Die Geschichte von Scrooge gehört zum Jahresausklang zu den meisterzählten. 1843 veröffentlichte sie Charles Dickens in Buchform. In der Fassung von Philipp Löhle macht sie nun Regisseurin Verena Koch im Landestheater zum Mittelpunkt der besinnlichen Zeit. Das Stück für junges Publikum (empfohlen ab 6) hatte am Wochenende in den Kammerspielen Premiere. Und ist bis auf Weiteres – auch wenn die ersten geplanten Schulvorstellungen Corona-bedingt ausfallen müssen – an den Wochenenden zu sehen.

Als Einstimmung aufs Fest funktioniert das Stück auch deshalb so gut, weil der unangenehme Geizhals darin doch eine angenehme Wandlung durchmacht. Nach seiner aufregenden Reise durch die Zeiten. Zuerst aber klopfen die Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht beim drahtigen Scrooge an, den Raphael Kübler besonders anfangs auch schön böse anlegt.

Besonders kreativ: Die Geister tauchen auf der ausgeklügelten und nur vermeintlich karg gestalteten Bühne von Netty Eiffes und Julia Neuhold (auch Kostüme) wie aus dem Nichts auf: Einmal beginnt die Wanduhr zu tänzeln, später erwacht der Vorhang zum Leben. Selbst das Licht erzählt seine eigene Geschichte. Und irgendwann wird die ganze Wandfläche zum Portal in die Vergangenheit, während der Bühnenunterboden zumindest fragmentarisch Einblick in scheinbar Fernes gibt.

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Die Neugier jedenfalls ist geweckt, auf den unterschiedlichsten Ebenen tummeln sich die Figuren des Stückes: der sympathisch-tollpatschige Neffe (Tom Hospes), die verzweifelte Kundin und die schöne Belle (Teresa Waas) sowie der treue Mitarbeiter (Phillip Henry Brehl).

Am Schluss wird Scrooge klar, (auch) bei Weihnachten geht es um die Gemeinschaft, um das Aufeinander-Schauen. Eine Message, die zeitlos ist und doch besonders gut in die pandemische Gegenwart passt. Damit wird „Eine Weihnachtsgeschichte“ im Landestheater zum Erlebnis für alle. (bunt)


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