2,1 Millionen Erwachsene in Österreich waren Opfer von Mobbing

Die Umfrage wurde mit 4000 Probanden in Österreich, Deutschland und der Schweiz durchgeführt. Mehr als die Hälfte der Fälle passiert am Arbeitsplatz.

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Wien – Mobbing wird meist mit Kindern assoziiert, doch auch 2,1 Millionen Erwachsene sind in Österreich schon davon betroffen gewesen - viele am Arbeitsplatz. Zu dem Ergebnis kam eine aktuelle Befragung des deutschen Bündnisses gegen Cybermobbing. Gelerntes negatives Verhalten aus der Jugend werde ins Arbeitsleben übernommen, da es nicht sanktioniert wurde, stellte der Vorstandsvorsitzende des Netzwerks Uwe Leest in einer Aussendung fest.

36,1 Prozent der österreichischen Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren waren laut der Umfrage bereits Opfer von Mobbing. Befragt wurden 4000 Menschen aus den deutschsprachigen Ländern. Mit dem Ergebnis liegt Österreich zwischen der Schweiz mit 38,7 und Deutschland mit 32,6 Prozent. 13,5 Prozent der Österreicher waren außerdem von Cybermobbing betroffen. Als "besonders alarmierend" wird die Situation jüngerer Menschen - der 18- bis 24-jährigen "Generation Smartphone, die im Arbeitsleben angekommen ist" - in der Aussendung beurteilt. 50 Prozent von ihnen wurden schon einmal gemobbt, 21 Prozent erfuhren Cybermobbing. Auch Frauen sind vermehrt betroffen - bei ihnen ist das Mobbing-Risiko 1,4-mal höher als bei Männern.

Mobbing-Erlebnisse können physische und psychische Folgen haben - jeder Zweite beklagt Persönlichkeitsveränderungen und Depressionen, mehr als jeder Achte betrachtet sich sogar als suizidgefährdet. Möglich sind außerdem ein schwindendes Selbstwertgefühl, Zwangsstörungen oder die Flucht in Alkohol oder andere Suchtmittel.

Betroffene brauchen fünf Krankheitstage im Jahr mehr

Werden Jugendliche oft in der Schule Opfer von Mobbing, ist das für die Erwachsenen am Arbeitsplatz der Fall. 51 Prozent der Mobbing-Vorfälle finden in Österreich im Job statt. Das wirkt sich negativ auf die Wirtschaft aus: Betroffene brauchen fünf Krankheitstage im Jahr mehr und streben doppelt so oft nach einem Arbeitgeber-Wechsel. Auf ca. 650 Millionen Euro belaufen sich die damit verbundenen Krankheitsfolgekosten für österreichische Unternehmen.

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Nur wenige Arbeitgeber bieten allerdings Präventionsmaßnahmen an, sagte Leest. Er forderte unter anderem, Mitarbeiter mit Schulungen und Informationsveranstaltungen zum Thema Mobbing und Cybermobbing zu sensibilisieren und das Betriebsklima zu stärken. Außerdem wünschte er sich flächendeckende Mobbingberatungsstellen sowie anonyme Hotlines. (APA)


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