Nissan Leaf e+ wirkt elektrisierend im Alltag

Der erste TT-Dauertest mit einem Elektroauto bewies: Stromen im Alltag funktioniert – zumindest wenn das Auto so ausgereift und reichweitenstark ist wie der Nissan Leaf e+. Bis zu 370 Kilometer waren drin.

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Dem Nissan Leaf ist die Elektrotechnik kaum anzusehen. Innen präsentiert sich der betont ausgewogene Japaner dafür erstaunlich geräumig.
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Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Vom Elektroauto hört man derzeit ja viel. Aber wie funktioniert es in der Praxis wirklich? Um dies im Alltag über Tausende Kilometer zu testen, bereicherte einer der weltweit meistverkauften Stromer bis zu dieser Woche den TT-Dauertestfuhrpark: der Nissan Leaf – und da gleich die Performance-Version e+, für welche Nissan über eine 62-kWh-Lithium-Batterie mit 288 Batteriemodulen eine Reichweite von nicht weniger als 385 Kilometern verspricht. Die Zieleinfahrt im Praxistest ein Ergebnis ganz knapp unter der Werksangabe. Bis zu 370 Kilometer kommt man mit dem e+ – und dies ohne zu trödeln. Auch an den kältesten Tagen im Herbst fiel die Reichweite übrigens nie unter 320 Kilometer, einmal lag sie im Fühsommer indes bei gar nicht vorgesehenen 404 Kilometern. Das reicht reichweitenmäßig nicht nur locker für den Alltag, sondern auch für die allermeisten Wochenendausflüge von Bozen bis Rosenheim hin und retour.

Wer stressfrei weiter fahren möchte, muss, wie bei allen Stromern, laden. Das geht mit dem „Chademo“-Schnellladestecker in angemessener Zeit: Der Leaf lädt damit mit 50 kW und kann seine Batterie so in 90 Minuten von 20 auf 80 Prozent Kapazität bringen. Wer zu Hause mit Wechselstrom lädt, benötigt mit 6,6 kW 11,5 Stunden für die Vollladung. Tipp: Der e+ hat so viel Reichweite, dass man ihn praktisch nie leer fahren muss. Das verkürzt die Zeit zur Vollladung merklich.

Im Alltag gefiel uns der Leaf ohnehin sehr – als Fahrzeug und E-Auto: So gibt sich der 160-kW-E-Motor bei Bedarf ungemein kraftvoll und stürmt in Sportwagenmanier (6,9 Sekunden auf 100 km/h) los. Auch auf den Berg geht es hinauf, als handle es sich um eine Ebene. Dabei zeigte sich der Leaf e+ sparsamer als einige vergleichbare Konkurrenten: So pendelte sich ein Praxis-Testverbrauch von 18,8 kWh ein. Ein hervorragendes Ergebnis für einen so starken Stromer. Auch – überall erlaubte – 130 km/h auf der Autobahn plus Messtoleranz zehren nicht überproportional an der Reichweite, wie teils bei der Konkurrenz.

Das alles ergibt vom Auto her eine feine Alltagstauglichkeit und das Gefühl von besonders souveräner und nervenschonender Motorisierung. Denn ganz ehrlich: An das lautlose Fahren könnte man sich schon gewöhnen – insbesondere, wenn man vornehmlich im Ballungsraum unterwegs ist. Auch insgesamt vermittelte dieses Auto mit seinem bequemen Gestühl und der unaufgeregten Art über die Monate Entspannung pur.

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Die Technik

Motor: Synchron-Elektromotor

Batteriekapazität: 62 kWh

Drehmoment: 340 Nm bei 4000 U/min

Leistung: 160 kW/217 PS

L/B/H: 4490/1788/1540 mm

Gewicht: 1707/2140 kg

Kofferraumvolumen: 435–1275 l

Batteriespannung: 350 Volt

Höchstgeschwindigkeit: 157 km/h

0–100 km/h: 6,9 Sekunden

Verbrauch: 18,8 kWh/100 Kilometer

Kraftübertragung: Frontantrieb

Preis: (e+ N-Connecta) 39.900 Euro

CO2-Emission: 0 g/km

Da der Leaf e+ aufgrund seiner respektablen Reichweite aber auch viel auf der Autobahn unterwegs war, spielten die im Testwagen (ab Ausstattung N-Connecta) serienmäßigen Assistenzsysteme ihre Stärken aus. So gibt es bei Nissan die genial praktische Pro-Pilot-Taste am Lenkrad. Ein Druck auf den blauen Knopf – und schon hält der Leaf abstandsgeregelt Spur und Geschwindigkeit.

Auch sonst bietet der Leaf modernste Multimedia-Dienstbarkeit. Perfekte Handykoppelung harmonierte vortrefflich mit der fulminanten Bose-Anlage (Option, Subwoofer leider im Kofferraum) und dem perfekt agierenden Navi mit Verkehrsmeldungsansage.

So wurde der Dauertest eines E-Fahrzeugs zum (unverhofften) Vergnügen. Acht Jahre garantiert Nissan für die Batterie, ab 38.350 Euro geht es mit dem e+ los. Förderungen sind noch abzuziehen.


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