Infektionszahlen in Bayern und Sachsen sorgen für Alarm

Lothar Wieler, Präsident des deutschen Robert-Koch-Instituts, sieht ohne harte Gegenmaßnahmen bereits eine fünfte Welle.

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Lothar Wieler vom deutschen Robert-Koch-Institut mahnt und warnt seit Tagen vor einer dramatischen Zunahme der Corona-Infektionen.
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Berlin – Auch wenn das nördliche Nachbarland im Vergleich zu Österreich noch halbwegs moderate Infektionszahlen aufzuweisen hat, ist auch dort die Lage höchst angespannt. Lothar Wieler, Präsident des deutschen Robert-Koch-Instituts, warnt schon seit Tagen. Manchmal klingt er schon richtig verzweifelt. So als müsste er Bevölkerung und Politik wachrütteln.

Und er macht am Samstag klar: Bei unzureichender Impfquote könnte die wellenartige Corona-Ausbreitung nach der vierten Welle weitergehen. „Wenn das Verringern der Kontakte und das Impfen nicht intensiv gelingt, werden wir nach den jetzigen Modellierungen auch noch eine fünfte Welle bekommen“, sagte Lothar Wieler der Deutschen Presse-Agentur.

Es sei bitter, dass sich bisher nicht mehr Menschen für diesen eigentlich leichten Schritt entschieden hätten. „Der weitere Verlauf des Winters hängt stark davon ab, was jetzt geschieht“, sagte Wieler.

Dramatische Lage in Bayern und Sachsen

Besonders dramatisch ist die Lage in Bayern, aber auch in Sachsen. In Sachsen sollen von Montag an für drei Wochen weite Teile des öffentlichen Lebens eingeschränkt werden. Geschlossen werden Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Bars, Clubs und Diskotheken. Weihnachtsmärkte und touristische Übernachtungen sind nicht mehr erlaubt und Restaurants bekommen begrenzte Öffnungszeiten.

In Bayern sollen ab Mittwoch für Ungeimpfte strikte Kontaktbeschränkungen gelten. Clubs, Diskotheken und Bars müssen für die nächsten drei Wochen schließen, Weihnachtsmärkte soll es nicht geben. Bei Kultur- und Sportveranstaltungen wird die Zuschauerzahl deutlich begrenzt. In extremen Hotspots werden zudem weite Teile des öffentlichen Lebens heruntergefahren.

Es gelte, so Wieler, jetzt an zwei Stellschrauben zu drehen. „Es muss jetzt rasch dafür gesorgt werden, dass flächendeckend in Deutschland die Kontakte der Menschen eingeschränkt werden.“ Er betont schon seit Tagen, dass große Feiern, Großveranstaltungen und große Menschenansammlungen in Innenräumen vermieden werden sollten. „Die Auswirkungen davon würde man nach zwei Wochen an den Infektionszahlen sehen.“

Wieler sprach sich für vorbeugendes Handeln aus, auch in bisher vergleichsweise nicht ganz so stark betroffenen deutschen Bundesländern: „In den Bundesländern, in denen die Zahlen jetzt noch niedrig sind, haben wir mit Kontaktbeschränkungen die Chance, die Zahlen auch niedrig zu halten. Dort, wo die Zahlen hoch sind, ist es eigentlich sehr spät, wenn nicht zu spät“, sagte er. Den „fulminanten Verlauf“ zu brechen, sei bei niedrigen Zahlen einfacher.

Impfaktivität muss gesteigert werden

„Das Zweite, was wir jetzt machen müssen, ist: die Impfaktivitäten massiv steigern“, sagte Wieler. Dies wirke sich jedoch nicht so schnell auf die Fallzahlen aus wie das Verringern von Kontakten: „Die Auswirkungen davon würde man in drei bis fünf Wochen sehen, das Impfen wirkt mittelfristig.“ Auch die Ständige Impfkommission hatte deutlich gemacht, dass für Effekte auf die Ausbreitungsdynamik hohe Booster-Impfquoten erreicht sein müssten.

Während man in Deutschland nicht an eine Impfpflicht denkt, wird dies in Italien immer lauter gefordert. Die Sozialdemokraten (PD), die drittstärkste Regierungspartei, sprechen sich für die Einführung einer Impfpflicht in Italien nach österreichischem Vorbild aus. „Österreich ist das erste Land in Europa, das die Impfpflicht eingeführt hat. Auch in Italien sollte eine Pflichtimpfung zum Schutz vor dem Virus notwendig sein. Heute ist die Zeit zum Handeln“, so Paola De Micheli, Abgeordnete der Demokratischen Partei.

Slowenien ist derzeit innerhalb Europas trauriger Spitzenreiter bei den Inzidenzen. Der rechtspopulistische Premier Janez Jansa wartet weiter ab, erwägt aber einen „Lockdown für Ungeimpfte“. Jüngst hatte das Land Kontaktbeschränkungen, eine heftig umstrittene Testpflicht an Schulen und Einschränkungen bei den Öffnungszeiten der Gastronomie beschlossen. (dpa)


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