Lockdown vor Weihnachten: Online-Handel reibt sich die Hände

Während ein Großteil des Handels während des Lockdowns schließen muss, können sich Online-Anbieter auf ein saftiges Geschäft freuen: Denn die Kassen werden gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit bei ihnen ordentlich klingeln.

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Wien – Süßer die Kassen nie klingeln – als für den Online-Handel in einem Lockdown vor Weihnachten. Auch heuer wird E-Commerce wieder sehr vom Weihnachtsgeschäft profitieren, teilte das E-Commerce-Gütezeichen am Montag anhand einer Erhebung mit. Demnach werden die Österreicherinnen und Österreich fast gleich viel online ausgeben wie im stationären Handel. Das Ergebnis der Online-Umfrage kam noch vor Bekanntgabe des neuen Stillstands zustande. 62 Prozent beschenken sich auch selbst.

Frau und Herr Österreicher dürften den Angaben zufolge immer mehr auf ein virtuelles Christkindl setzen. Während generell nur ein Fünftel (21,2 Prozent) mehr als die Hälfte der Einkäufe im Internet erledigt, ist dieser Anteil zu Weihnachten nämlich mehr als doppelt so hoch: 48,3 Prozent wollen zumindest die Hälfte der Weihnachtsgeschenke online besorgen. 13,6 Prozent werden heuer überhaupt auf Packerln verzichten, 38,1 Prozent kaufen nur was sein muss im Internet.

Gewerkschaft für kürzere Öffnungszeiten, Lugner will Sonntagsöffnung

Die Gewerkschaft GPA fordert erneut kürzere Öffnungszeiten im Handel. Wie schon in vorangegangenen Lockdowns sollen Geschäfte auch jetzt wieder um 19 Uhr schließen. Grund dafür sei unter anderem die Sicherheit der Handelsangestellten: "Vor allem weibliche Handelsangestellte wollen nicht im Dunkeln durch menschenleere Gassen nach Hause gehen", so Gewerkschaftsvorsitzende Barbara Teiber in einer Aussendung am Montag.

Darüber hinaus würden kürzere Öffnungszeiten für ausreichend Personal sorgen und verhindern, dass oft kurzfristig eingesprungen werden muss. In vergangenen Lockdowns habe man sich gemeinsam mit den Sozialpartnern auf kürzere Öffnungszeiten verständigt, diesmal fühlt sich die Gewerkschaft vom Gesundheitsministerium nicht ausreichend einbezogen. Während des Lockdowns dürfen nur Geschäfte zur Grundversorgung öffnen, darunter fallen Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Drogerien, Trafiken und Tankstellen.

Für die Zeit nach dem Lockdown ab dem 13. Dezember wünscht sich Einkaufszentrumsbetreiber Richard Lugner die Möglichkeit, seine Pforten auch am Sonntag zu öffnen. Das Weihnachtsgeschäft sei in der Kürze der Zeit nicht zu bewältigen, deshalb sollten die Öffnungszeiten am Vor-Weihnachtswochenende auch auf Sonntag (19. Dezember) ausgedehnt werden, hieß es in einer Aussendung. Lugner hatte schon in der Vergangenheit mehrmals die generelle Sonntagsöffnung des Handels gefordert.

"Manche können es gar nicht erwarten, Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Andere packt beim Gedanken daran nicht die Vorfreude, sondern das nackte Grauen, denn sie assoziieren damit vor allem Stress und überfüllte Geschäfte", so Thorsten Behrens, Geschäftsführer des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens, in dessen Auftrag 1000 Menschen in Österreich im Internet zu ihrem Weihnachts-Einkaufsverhalten befragt wurden. "Der nach der Befragung verkündete Lockdown wird sicherlich ein weiterer wichtiger Grund für den virtuellen Geschenkekauf sein und den ohnehin bereits hohen Online-Shopping-Anteil noch weiter steigern." Denn die Zeit für Weihnachtseinkäufe im stationären Handel werde dadurch stark reduziert.

Stationärem Handel entgehen bis zu 140 Millionen Euro pro Tag

Dem stationären Handel in Österreich entgehen während des aktuellen Lockdowns Umsätze von bis zu 140 Mio. Euro pro Tag. Das erklärte der Handelsexperte Ernst Gittenberger von der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz am Montag im Ö1-Mittagsjournal. Der Lockdown falle heuer noch ungünstiger als letztes Jahr, neben den vor-weihnachtlichen Einkaufssamstagen ist auch der traditionell umsatzstarke 8. Dezember davon betroffen.

Gittenberger rechnet deshalb mit noch höheren Umsatzverlusten als in vergangen Lockdowns. Profitieren werde davon vor allem der Online-Handel: "Wir wissen aus unseren Studien, dass ungefähr 6 von 10 Euro der Online-Ausgaben ins Ausland fließen, zu Amazon und Co".

Hoffnung für den österreichischen stationären Handel und eine Alternative zum Online-Shopping bietet hingegen "Click and Collect", bei dem Kundinnen und Kunden Waren online oder telefonisch bestellen und dann im Geschäft abholen können. Laut Berechnungen der JKU Linz hat im vergangen Lockdown rund ein Fünftel der Kundinnen und Kunden das Angebot genutzt. Allerdings werde "Click and Collect" laut Handelsverband von nur rund 5 bis 10 Prozent der Händlerinnen und Händler angeboten, in vielen Fällen würden die technischen Möglichkeiten fehlen.

Hoffnung auf "Click and Collect"

"Click and Collect" könne Umsatzverluste zwar abbremsen und weitere Umsatzverluste verhindern, die negativen Effekte des Lockdowns könne das Angebot jedoch "in keinster Weise ausgleichen", so WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik ebenfalls am Montag im Ö1-Mittagsjournal.

Immer mehr Handelsunternehmen würden auch am diese Woche stattfindenden "Black Friday" und am darauffolgenden "Cyber Monday" teilnehmen und ihren Kunden Rabatte per "Click and Collect" gewähren, so Trefelik in einer Aussendung am Montag.

Für jene Unternehmen, deren Umsatz um mindestens 40 Prozent gegenüber dem selben Monat 2019 zurückgeht, gibt es den Ausfallsbonus. Hier forderte Rainer Will vom Handelsverband im Ö1-Mittagsjournal "mehr Treffsicherheit" denn: Unternehmen, die seit 2019 gewachsen seien, bekämen über den Ausfallsbonus zu wenig Unterstützung, Unternehmen, die Filialen geschlossen hätten, bekämen hingegen zu viel. Hier müsse man nachschärfen, so Will.

Weihnachtsgeschenke werden überwiegend online gekauft

Die im Internet befragten Menschen kaufen ihre Weihnachtsgeschenke zu gut 85 Prozent online, weil sie dort in aller Ruhe aussuchen und vergleichen können. 80 Prozent schätzen besonders, dass sie nicht an Öffnungszeiten gebunden sind und jederzeit pausieren können. Gut 76 Prozent der Befragten sehen es als großen Vorteil, dass sie im Internet - quasi auf kleinstem Raum – ein wesentlich größeres Angebot vorfinden. Und für knapp 74 Prozent ist es ausschlaggebend, dass sie Zeit sparen würden.

Jeweils gut 70 Prozent nennen als Pluspunkte, sich nicht sofort entscheiden zu müssen sowie das Vermeiden von Parkplatzsuche und Getümmel. Ein offenbar figurbewusstes Viertel sieht den Vorteil, nicht in Versuchung zu kommen beim analogen Einkauf zu Glühwein und Keksen zu greifen. (APA)


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