Prock traut Egle jetzt auch eine Olympiamedaille zu

Nach dem historischen Abschneiden bei der Olympia-Generalprobe in Yanqing gilt es für Egle, Schulte und Co. in Sotschi nachzulegen.

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Die Rinnerin Madeleine Edle.
© fil galinovskis

Von Günter Almberger

Yanqing – Bescheiden, zurückhaltend, introvertiert – Madeleine Egle blieb in der Stunde ihres ersten Weltcup-Triumphs ganz sie selbst. Als am Sonntag der Sieg beim Kunstbahnrodel-Weltcup-Auftakt auf der Olympiabahn von Yanqing feststand, gab es keine emotionale Explosion bei der Rinnerin. Ein fast schon verlegenes Lächeln huschte ihr über die Lippen und einmal die Faust zum Jubel geballt – das war’s! Madeleine Egle, eine, die sich freuen kann, aber eben nach innen. „Es ist richtig cool, dass ich jetzt einen Weltcup-Sieg habe und die gelbe Startnummer der Weltcup-Spitzenreiterin mitnehmen darf“, gab es von der 23-Jährigen keine großen Töne oder Kampfansagen in Richtung Olympia. Selbst Stunden nach dem Premieren-Erfolg rang sie bei ihrem Instagram-Post nach Worten: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Hätte mir das jemand vor einer Woche gesagt, ich hätte es nicht geglaubt.“

Lisa Schulte aus Mieders.
© fil galinovskis

Ein wenig „extrovertierter“ zeigte sich Lisa Schulte nach Rang drei und ihrem Podest-Debüt: „Ich habe im Ziel sogar ein paar Tränen verdrücken müssen, weil es dann doch sehr emotional war. Dass ich hier aufs Podest gefahren bin, es ist ein Highlight“, konnte es die 20-Jährige aus Mieders kaum fassen.

Unglaubliche 24 Jahre hatte es gedauert, bis wieder eine Österreicherin im Kunstbahnrodel-Weltcup gewann. Am 30. November 1997 stand die Vorarlbergerin Andrea Tagwerker in Königssee auf dem obersten Stockerl. Und wie in Yanqing raste damals mit der Tirolerin Angelika Neuner ebenfalls eine ÖRV-Athletin auf den dritten Platz. Einer, der sich an dieses Wochenende „vor einer halben Ewigkeit“ noch gut erinnert, ist Markus Prock. Der heutige ÖRV-Präsident fuhr am Königssee 1997 auch auf Rang drei, will aber nicht in Erinnerungen schwelgen.

„Es wurde Zeit, dass diese Serie ein Ende hat! Sensationell, was Madeleine, aber auch Lisa gezeigt haben. Es ist für uns noch erfreulicher, weil wir nach den Trainingsläufen nicht damit rechnen konnten“, war Prock stolz auf seine Athletinnen. Bei Egle habe man schon im Jugend-Bereich gesehen, dass sie Potenzial hat, um auch später im Weltcup in der Spitze mitzumischen. „Sie war schon immer unglaublich ehrgeizig. Und durch ihre Größe hat sie einfach super Hebel am Start. Und wie gut sie in der Bahn ist, hat sie in China unterstrichen.“ In die Favoritenrolle für Olympia will Prock seine Neo-Siegerin aber nicht drängen: „Die Deutsche Julia Taubitz ist richtig schnell, mit allen anderen kann Madeleine aber mithalten.“ Klingt vielversprechend. Auch für den anstehenden Weltcup-Stopp in Sotschi ...


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