Schwarzsee steht unter Druck: Insektenzählung bringt neue Erkenntnisse

Eine wissenschaftliche Insektenzählung im Kitzbüheler Naturschutzgebiet zeigt den großen Wert der Fläche, aber auch, dass sie entlastet werden muss.

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Alois Ortner und Kurt Lechner untersuchten im Sommer 2020 die Insektenpopulation am Schwarzsee.
© Widmoser

Von Harald Angerer

Kitzbühel – Der Schwarzsee hat in Kitzbühel einen sehr hohen Stellenwert. Sowohl die Einheimischen wie auch die Gäste schätzen den Moorsee. Ein Teil der Fläche ist aufgrund seiner Bedeutung als Hochmoor auch unter Schutz gestellt. Die Biologen Alois Ortner und Kurt Lechner untersuchten im Sommer 2020 im Auftrag des Landes Tirol die Insektenpopulation am Schwarzsee. Die ausgewerteten Ergebnisse liegen in einem 68-seitigen Bericht vor, der nun präsentiert wurde.

Dabei stellen die beiden Biologen dem Schwarzsee ein sehr gutes Zeugnis aus. Sie haben bei mehreren Insektenzählungen die Bestände von Schmetterlingen, Heuschrecken und Libellen untersucht. Diese gelten als Indikatoren für ein gesundes Moor. Vor allem bei den Schmetterlingen seien die Ergebnisse besonders interessant. „Für die Kitzbüheler ist es vielleicht gar nichts Besonderes, aber dieser Bestand am Schwarzsee ist in Tirol extrem selten“, schildert Ortner. So gebe es am Schwarzsee vier bis fünf Arten, die in Tirol nur mehr ganz selten vorzufinden seien, eine sei sogar einzigartig.

Bei den Libellen ist die Hälfte der gefundenen Arten auf der roten Liste. „Das zeigt die Bedeutung des Schutzgebietes am Schwarzsee“, unterstreicht auch Schutzgebietsbetreuer Philipp Larch. Die Populationen seien auch groß genug, „um hier überleben zu können, wenn sich nichts ändert“, sagt Lechner. Die Biologen und der Schutzgebietsbetreuer weisen hier auf den extrem hohen Besucherdruck am Schwarzsee hin.

„Es ist vor allem im Sommer extrem viel los und das führt zu Stress bei Tieren und Pflanzen“, betont Larch, und Kitzbühels Schwarzseereferent Rudi Widmoser fügt hinzu: „Die Menschen sind leider auch oft in den verbotenen Bereichen unterwegs. Die Leute wollen das einfach nicht einsehen.“ Selbst die Absperrungen durch die Stadt würden wenig helfen. „Die Stadt zeigt sich hier wirklich sehr bemüht, sperrt auch immer wieder Wege, die entstehen, ab“, schildert Schutzgebietsbetreuer Larch, und Widmoser sagt: „Am besten wäre es, das Wildbaden am Schwarzsee zu verbieten.“

Ein großes Problem am Schwarzsee sind auch die Hunde. „In gewissen Bereichen lässt die Algenblüte auf eine spezielle Nährstoffdichte rückschließen“, sagt Larch und umschreibt damit das Problem mit dem Hundekot. Es würden am See Kontrollen von der Bergwacht durchgeführt. Das würde aber noch zu wenig abschrecken, befürchtet Widmoser.

Man wolle deshalb weiter auf Information setzen. Viele wüssten wohl nicht, in welch einzigartigem Naturraum sie sich bewegen, glauben die beiden Biologen. Weniger geworden ist das Problem mit dem Biber, dieses hätte sich eingependelt und Biologen und Schutzgebietsbetreuer sind überzeugt, dass der Biber dem Naturschutzgebiet sogar guttut.


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