Corona füllt auch in Deutschland die Spitäler

Krankenhausüberlastung und Kommunikationschaos auch in Deutschland.

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Für den Besuch des Weihnachtsmarkts in Frankfurt reicht ein einfacher Mund-Nasen-Schutz. Nur zwei kleine Bereiche sind 2-G-pflichtig.
© AFP/Schreiber

Berlin – Die Corona-Infektionslage in Deutschland nähert sich rasant der österreichischen an. In Sachsen registrierten die Behörden gestern bereits eine Sieben-Tage-Inzidenz von 960. Die Spitäler bereiten sich bereits auf die Triage vor. Es stünden in Sachsen nur noch wenige Betten auf den Intensivstationen zur Verfügung, sagte der Präsident der Landesärztekammer, Erik Bodendieck, dem Sender NDR Info. Wenn sich daran nichts ändere, müsse über eine Auswahl nachgedacht werden, wer behandelt werde und wer nicht.

Doch nicht nur im Freistaat schrillen sämtliche Alarmglocken. „Die Corona-Lage ist sehr besorgniserregend und momentan nicht unter Kontrolle“, sagte der Präsident der Intensivmediziner-Vereinigung Divi, Gernot Marx, am Montag. Regional, etwa in Bayern, Thüringen, Sachsen und einigen Ballungszentren, gebe es bereits akute Überlastungssituationen, so dass Patienten verlegt und planbare Operationen verschoben werden müssten. Mecklenburg-Vorpommern meldete bereits erste ausgelastete Intensivstationen.

Trotz der steigenden Infektionszahlen im gesamten Bundesgebiet haben gestern etliche Weihnachtsmärkte geöffnet – zum Teil reicht ein Mund-Nasen-Schutz für den Besuch aus, so etwa in Frankfurt am Main.

Für die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wäre jedoch selbst 2 G – also geimpft oder genesen – nicht mehr ausreichend, um der Virusausbreitung zu begegnen. „Wir haben eine Lage, die alles übertreffen wird, was wir bisher hatten“, sagte sie bei einer CDU-Vorstandssitzung laut Teilnehmern. Aus der aktuellen Debatte über eine mögliche allgemeine Corona-Impfpflicht wollen sich die scheidende Kanzlerin und ihre Regierung aber heraushalten. Auch wenn deutlich geworden sei, dass man mit Aufklärung und Werben für die Impfung allein nicht weiterkomme, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag sagte.

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Immer mehr CDU- und CSU-Politiker sprechen sich mittlerweile für eine generelle Impfpflicht aus. Sie würden dies den WählerInnen gegenüber allerdings auf Bundesebene nicht mehr verantworten müssen, sondern die künftige Ampelregierung aus SPD, Grünen und FPD. Vor allem die FDP blockiert die Impfpflicht und will sie maximal für bestimmte Gruppen einführen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hingegen betonte am Sonntag, die allgemeine Impfpflicht sei kein Tabu.

Für Verunsicherung hat in den vergangenen Tagen zusätzlich die Meldung des Gesundheitsministeriums gesorgt, die Bestellmengen für den BioNTech-Impfstoff zu beschränken und mehr Moderna einzusetzen. Der Grund: Die Moderna-Bestände drohen abzulaufen. Doch Minister Jens Spahn musste gestern ausrücken und die Sicherheit beider Vakzine nachdrücklich betonen. (sta)


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