Tiroler Band „Nihils“: Musikalischer Höhenflug und tiefer Fall

Die Tiroler Band „Nihils“ hat neue Musik am Start. Uraufführung feierte sie, ganz bescheiden, in der Stratosphäre. Ein musikalisches Experiment.

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Thomas Lackner, Ramon Riezouw und Florian Nothegger (v. l. n. r.) ließen ihren Wetterballon mit angebauten Lautsprechern nahe ihrer Wahlheimat Berlin auf 35.000 Höhenmeter steigen.
© David Waltl

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Österreich in der Stratosphäre. Na, klingelt’s? Richtig. Da war doch was. Dort, wo inzwischen die Tech-Milliardäre weilen, war er schon längst. Der Salzburger Felix Baumgartner ließ sich vor ziemlich genau zehn Jahren von der Stratosphäre aus auf die Erde fallen. Die Welt unten schaute zu. Inzwischen sind Österreicher in den höheren Sphären rar geworden. Bis jetzt. Denn vor Kurzem war Österreich, nein, Tirol in der Stratosphäre ... jedenfalls zu hören. Denn die Waidringer von Nihils haben für ihr neues Minialbum, das morgen erscheint, den ganz großen Coup ersonnen. Mit einem Wetterballon brachten sie ihre neue Musik dorthin, wo Musik bisher noch nicht zu hören war.

Dabei ging es dem Tiroler Trio um die 30 gar nicht so sehr um eine öffentlichkeitswirksame PR, sondern um ein musikalisches Experiment. Thematisch ist der Weltraum in der neuen Musik von Ramon Riezouw, Thomas Lackner und Florian Nothegger omnipräsent, erzählen die drei Musiker der TT. „Interplanetary Maze“ ist der Titel der neuen Kompilation. Zu hören ist darauf Zukunftsmusik (der Opener „Back to the Start“), aber ebenso kritische Töne (in „Low On Energy“) zum gegenwärtigen Umgang der Menschen mit ihrem Planeten. All das nun auch visuell mit dem Weltall verbinden, das war die Herausforderung.

Denn der musikalische Höhenflug ist morgen, 19.30 Uhr, pünktlich zum Release der EP auch auf Youtube zu sehen. Wie der Abstecher ins All über die Bühne ging, erklärt Lackner: Auf einer Anhöhe nahe ihrer Wahlheimat Berlin ließen die Tiroler den Ballon in 35.000 Meter Höhe steigen. In Endlosschleife dröhnte dabei „Interplanetary Maze“ aus den extra angebrachten Lautsprechern. Eine Kamera zeichnete die Bilder der Ballonfahrt auf, den Aufstieg und den tiefen Fall. Der kam zweieinhalb Stunden später. Mittels GPS-Sender ließen sich die auf die Erde gekrachten Aufnahmegeräte einsammeln. Beim ersten Versuch schlugen sie nahe Leipzig auf.

Die neuen fünf Songs, die ihre Uraufführung also in der Stratosphäre hatten, sind der zweite Teil eines größeren Projekts, das Nihils mit „AM/PM“ betiteln: Musik für den ganzen Tag also. Allfällig einsetzbar klangen bereits die Songs von Part 1, die 2020 erschienen. Gefertigt rein elektronisch, die Tiroler produzieren inzwischen auch selbst. Ihre Gitarren hat die Indie-Pop-Band schon bald nach ihrem Bekanntwerden in „Die große Chance“ abgegeben. Dort schaffte sie es 2011 bis ins Halbfinale.

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Der Traum, einmal nur von Nihils leben zu können, ist beim Trio bis heute tonangebend. Mit „Help Our Soul“ schafften sie schon einmal einen Ohrwurm in Radioqualität. Wie hoch es für die Tiroler mit der neuen EP geht, wird sich weisen. Auf 35.000 Metern Höhe lässt es sich halt noch nicht unbeschwert schweben.

Release mit Q&A am 25.11., 19.30 Uhr, auf www.youtube.com/nihilsmusic


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