Übergangspflegestation in Schwaz: Zuhause für zwischendurch

In der Übergangspflegestation am Schwazer Krankenhaus werden seit zehn Jahren viele Senioren nach Sturzverletzungen wieder fit für ihren Alltag daheim gemacht.

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Andrea Ranacher (l.) beim Plausch mit einer Bewohnerin der gemütlich ausgestatteten Zimmer auf der Übergangspflegestation im Schwazer Bezirkskrankenhaus.
© BKH Schwaz/Monthaler

Von Angela Dähling

Schwaz – Viele glückliche Gesichter trotz gesundheitlicher Beschwerden. Im Krankenhaus Schwaz gibt es sie – auf der Übergangspflegestation. Eine Einrichtung, die in diesem Monat zehnjähriges Bestehen feiert und als landesweites Pilotprojekt gestartet wurde.

„Ich könnte nicht zufriedener sein. Das ist so eine wunderbare Einrichtung hier, die es möglichst bei jedem Krankenhaus geben sollte. Schließlich gibt es viele alleinlebende Senioren“, sagt eine 86-jährige Unterländerin strahlend, die erstmals in ihrem Leben von der Übergangspflege Gebrauch macht. Sie war mit einer zertrümmerten Kniescheibe ins Spital gekommen und wird nun in der von der Senecura geleiteten Pflegestation unter anderem mit Physiotherapie wieder fit für ihren Alltag daheim gemacht.

Eine 85-jährige Jenbacherin, ebenfalls alleinlebend, ist zum wiederholten Mal hier. „Sie rief uns an, weil sie sich ihre Hand gebrochen hatte. Und wir halfen ihr kurzfristig“, erzählt Andrea Ranacher, die die Einrichtung leitet – gemeinsam mit der Pflegedienstleiterin Carmen Lagger. Jede Menge berührende Geschichten wissen sie zu erzählen. Von Familien, die im Erstgespräch verzweifelt waren, weil sie nicht weiterwussten und glaubten, dass der Opa nie wieder heimkommen könne. Von rührenden Worten in Dankeskarten. Von ehemaligen Klienten, die nach vielen Monaten auf einmal in der Tür standen, um sich zu bedanken, weil sie wieder alles alleine können.

Wobei Ranacher weder von Klienten noch Patienten spricht. Für sie sind es schlicht „unsere Bewohner“. Der Großteil ist über 80 Jahre alt, alleinstehend und aufgrund von Sturzverletzungen hier. Die Übergangspflege dauert im Schnitt 40 Tage. In den 24 Betten wurden bei einer Auslastung von 93 Prozent in den vergangenen zehn Jahren rund 1400 Personen betreut. „Betreuungen waren es rund 2000, weil einige schon mehrfach bei uns waren. Manche schon zehn Mal“, erzählt Ranacher. Das liegt auch daran, dass pflegende Angehörige das Angebot der Kurzzeitpflege nutzen, wenn sie einmal eine Auszeit brauchen. „28 Tage werden jährlich gefördert“, weiß Ranacher, die die Einrichtung mit aufgebaut hat.

Nach der Eröffnung arbeitete sie bis 2014 daran, das Pilotprojekt-Konzept in Richtlinien zu gießen, die Gültigkeit für weitere Einrichtungen haben sollen. Die Verhandlungen mit dem Land darüber, was es für eine vernünftige Realisierung braucht, seien immer fair und auf Augenhöhe passiert, lobt Ranacher. „Geplant ist, so eine Einrichtung in jedem Bezirk umzusetzen“, sagt sie. Das Interesse ist groß – aus allen Bundesländern und Nachbarstaaten kamen bereits Delegationen zur Besichtigung.

Mit 15 Mitarbeitern wurde gestartet, jetzt sind es 24. „2011 arbeiteten über 50 Prozent Vollzeit, jetzt sind 80 Prozent Teilzeitkräfte – was sicher auch ein Indikator für die Belastung ist“, sagt Ranacher. „Man merkt täglich, wie gern alle hier arbeiten und sich gegenseitig helfen“, sagt die 86-jährige Unterländerin, die seit sechs Wochen hier ist. Ein Betriebsklima, das sich offenbar äußerst positiv auf die Zufriedenheit der Bewohner auswirkt – und auch auf deren Genesungsfortschritt.


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