Klinik Innsbruck: „Dr. Viola“-Notruf wird angenommen

Opfer von Gewalt können sich mit einem speziellen Ausspruch Unterstützung beim Klinikpersonal holen.

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Das Thema Gewalt gegen Frauen hat heuer in Österreich – und zuletzt am Donnerstag wieder in Tirol – traurige Schlagzeilen gemacht.
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Innsbruck – Seit mittlerweile vier Monaten haben die Universitätskliniken Innsbruck den Notruf „Ich muss zu Dr. Viola/Ich habe einen Termin bei Dr. Viola“ für alle Betroffenen von häuslicher Gewalt, die sich unmittelbar bedroht und in Gefahr fühlen, aktiviert. Der Notruf gilt für jeden, unabhängig von Alter oder Geschlecht.

Die Innsbrucker Klinik hat mit 1. August den Notruf „Ich muss zu Dr. Viola“ aktiviert. Opfer häuslicher Gewalt haben oft Hemmungen, Unterstützung zu suchen. Dank diesem Codewort können Betroffene niederschwellig und einfach Hilfe bekommen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Areal der Klinik Innsbruck sind über den Notruf informiert und leiten alle notwendigen Schritte in die Wege, um der betroffenen Person zu helfen und sie in Sicherheit zu bringen.

Insgesamt zwölfmal haben Frauen und auch Männer diesen Satz bis Anfang November am Areal der Innsbrucker Klinik ausgesprochen und ihnen konnte geholfen werden. „Wir sehen, dass der Notruf angenommen wird. Jede Person, die so aus einer unmittelbaren Bedrohung herausgeholt werden kann, ist eine Person mehr, deren Leben in Gefahr gewesen sein könnte“, so Thomas Beck, Psychologe und Leiter der Opferschutzgruppe an der Klinik Innsbruck.

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In den kommenden Wochen werden in den Toilettenanlagen der großen Notfallambulanzen mehrsprachige Notfallkarten aufgelegt werden. Auf der Rückseite ist der Satz „Ich muss zu Dr. Viola“ aufgedruckt. So ist ein Notruf trotz sprachlicher Schwierigkeiten möglich. Die Karte kann dem Portier, dem Sicherheitspersonal oder jedem anderen Mitarbeiter am Areal einfach gezeigt werden.

Bestürzt zeigt sich unterdessen Sozial-Landesrätin Gabriele Fischer (Grüne) über den jüngsten mutmaßlichen Fall von häuslicher Gewalt, bei dem am Donnerstag eine 27-Jährige getötet wurde. „Die zahlreichen Gewaltverbrechen gegen Frauen zeigen einmal mehr: Wir haben ein Problem. Frauen sind gefährdet, sie sind von Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung bedroht.“ Fischer appelliert daher an die Männer: „Seid Vorbilder, setzt euch gegen Gewalt ein. Sei es in der Familie, in der Arbeit oder im Freundeskreis.“ Unter www.gewaltfrei-tirol.at findet sich eine Auflistung aller Hilfsangebote in Tirol. (TT)


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