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Pro & Contra: Offene Schulen, wo die Lage unter Kontrolle ist

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Pro: Carmen Paumgartner-Pötz

Einmal mehr sollen Kinder und Jugendliche ausbaden, was erwachsene Entscheidungsträger in Teilen des Landes verbockt haben – ein sicheres Schul- und Testumfeld zu schaffen und den Impffortschritt voranzutreiben. Schulen zu schließen, mag effektiv sein, um die Inzidenzen rasch zu drücken. Gleichzeitig befeuert man alle Probleme aufs Neue, die seit dem ersten Lockdown bekannt sind: Die Gefahr für Vereinsamung und Depressionen steigt, dazu kommen Tausende Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Bildungslaufbahn zurückfallen, weil sie kein privilegiertes elterliches Umfeld haben, das ihnen helfend zur Seite stehen kann. Die österreichische Lösung, die Präsenzpflicht auszusetzen, ist „unter den schlechten Optionen noch eine der besten Entscheidungen“, heißt es in einer aktuellen IHS-Studie. Dazu kommt, dass die Lage an den Schulen durchaus kontrolliert werden kann, wenn man rechtzeitig seine Hausaufgaben gemacht hat. Wien zeigt das seit Monaten eindrucksvoll vor.

Contra: Nikolaus Paumgartten

Die Altersgruppe der Fünf- bis 14-Jährigen weist längst mit Abstand die höchste 7-Tage-Inzidenz auf – und trotzdem sind die Schulen weiter offen. Die Politik lobt das Testen als Kontrollinstrument. Dass dieses aber nicht wie versprochen funktioniert, zeigen Woche für Woche unzählige fehlende oder verspätete PCR-Testergebnisse. Auch dass die Umstellung auf wöchentlich zwei PCR-Tests in Tirol vorerst doch noch nicht kommt, ist alles andere als vertrauensbildend. Das Bekenntnis der Politik zu offenen Schulen stellt Eltern vor die Entscheidung: Lasse ich mein Kind trotz Unterricht nach Stundenplan zu Hause oder setze ich es in der Schule der Gefahr einer Infektion aus? Eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Unbestritten ist die psychische Belastung für Kinder bei geschlossenen Schulen. Gänzlich unerforscht sind allerdings noch die Langzeitfolgen von Covid bei Kindern. Geschlossene Schulen für mindestens zwei Wochen sind daher jetzt ein Gebot der Stunde. Nur so bekommen wir das Virus aus den Klassenräumen.


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