Die japanische Prinzessin, die (noch) nicht Kaiserin sein darf

Japan hat eigene Gesetze: Erst mit 20 ist man volljährig und nur Männer dürfen auf den Thron. Aiko wird bald 20 und das Volk will sie als Kaiserin.

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Wie ihre Mutter liebt Aiko Tiere, ihr Hund heißt Yuri.Fotos: imago images
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Tokio – Auf ihr ruhen die Hoffnungen vieler Japaner: Prinzessin Aiko. Das einzige Kind von Kaiser Naruhito und seiner Gemahlin Masako wird am 1. Dezember 20 Jahre alt – und damit volljährig. In Japan darf man ab diesem Alter Alkohol trinken, rauchen und zur Wahl gehen. Die hinter den dicken Mauern des Kaiserpalastes in Tokio lebende Aiko darf dagegen nicht nur nicht wählen, sie darf nicht einmal in der Öffentlichkeit ihre eigene Meinung äußern. Und noch eines ist ihr verwehrt: der Thron. Auf den dürfen nach dem geltenden Hofgesetz nur Männer. Doch der ältesten Erbmonarchie der Welt geht langsam der Nachwuchs aus. Ist Aiko die Rettung?

Bei einem Schulkonzert spielt sie 2017 den Kontrabass.
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Seit ihrer Hochzeit mit Naruhito im Juni 1993 hatte Masako unter einem gewaltigen Erwartungsdruck gestanden, der Nation einen Thronfolger zu gebären. Als schließlich am 1. Dezember 2001 Aiko zur Welt kam, löste dies im Volk zwar Jubel und Erleichterung aus, aber auch eine Debatte, ob das für manche frauenfeindliche Hofgesetz geändert werden sollte, um die Zukunft der Monarchie zu sichern. Als 2006 Aikos Cousin Hisahito geboren wurde, schlief das Thema wieder ein. Doch als kürzlich Hisahitos Schwester und Aikos Cousine Mako (29) ihren bürgerlichen Studienfreund heiratete und damit aus dem Hof ausschied, gewann die Debatte über die Thronfolge wieder an Fahrt. Denn die Augen der Öffentlichkeit richten sich jetzt zunehmend auf Prinzessin Aiko.

In einer jüngsten Umfrage befürworteten mehr als 80 Prozent der Befragten eine Frau auf dem Thron. Selbst in der regierenden Liberaldemokratischen Partei gibt es zunehmend Stimmen, die sich dafür aussprechen, dass Aiko eines Tages ihrem Vater Naruhito als Kaiserin auf dem Thron folgen sollte.

2001 wurde Aiko als einziges Kind vom aktuellen Kaiser Naruhito und seiner Frau Masako geboren.
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Bis Ende des Jahres soll nun ein Gremium von Experten einen Vorschlag zur Lösung der Thronfolgeproblematik ausarbeiten. Denn die Zeit drängt: Derzeit stehen theoretisch nur noch drei Kandidaten als Nachfolger für Aikos Vater für den Thron bereit: sein Bruder, Kronprinz Akishino (55), dessen 15 Jahre alter Sohn Prinz Hisahito und Naruhitos Onkel Masahito – der 85 Jahre alt ist. Sollte also Hisahito – der erste Prinz in Japan seit 41 Jahren und das einzige noch verbliebene männliche Mitglied der jüngsten Generation der Kaiserfamilie – eines Tages nicht für männlichen Nachwuchs sorgen, „hört das Kaiserhaus auf zu existieren“, so Ernst Lokowandt, ein intimer Kenner des japanischen Kaiserhauses.

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Würde das Haushofgesetz so geändert, dass grundsätzlich das erstgeborene Kind – unabhängig vom Geschlecht – auf den Thron kommt, wäre das Nachwuchsproblem gelöst. Und Aiko würde eines Tages Kaiserin werden. (TT, dpa)


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