Vermeintliches Opfer blieb Gericht fern: 44-Jähriger freigesprochen

Ein 44-Jähriger wurde vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.

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Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Nach den mutmaßlichen Morden an zwei Innsbruckerinnen war Gewalt gegen Frauen am Montag auch Thema am Landesgericht. Auf der Anklagebank musste ein 44-Jähriger Platz nehmen, der ab Juli 2020 ein ganzes Jahr lang seine damalige Freundin malträtiert haben soll. Die Staatsanwältin warf dem Mann vor, die Frau „absolut kontrolliert, bedroht, geschlagen, eingesperrt und auch vergewaltigt“ zu haben. Die Anschuldigungen wogen so schwer, dass der 44-Jährige die vergangenen drei Monate in Untersuchungshaft verbringen musste.

Allerdings stand die Anklage auf dürren Beinen. Denn die Ex-Freundin hat den 44-Jährigen im vergangenen August zwar angezeigt und bei einer zweitägigen Einvernahme durch die Polizei ihr angebliches Martyrium geschildert, vor Gericht aussagen wollte sie aber offenbar nicht. Sie ließ sich auch nicht auf eine kontradiktorische Befragung (vor der Videokamera; Anm.) ein. Außerdem „war es nicht möglich, ihr eine Zeugenladung zuzustellen“, betonte die Richterin. Damit musste die Staatsanwältin auf die Kronzeugin verzichten, auf deren Aussagen die Anklage aufgebaut war.

Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe. „Ich muss davon ausgehen, dass mein Mandant Opfer einer Verleumdung ist“, legte sein Verteidiger nach.

Das sah der Schöffensenat ähnlich: „Freispruch zur Gänze“, verkündete die Richterin nach ungewöhnlich kurzer Beratung. Der Angeklagte habe „einen authentischen Eindruck hinterlassen“. Außerdem ortete die Richterin Widersprüche in der Aussage des vermeintlichen Opfers vor der Polizei: „Sie gab an, sie hatte die ganze Zeit ein Handy. Warum hat sie dann nicht um Hilfe gerufen, als sie eingesperrt war?“ Und warum war am ersten Tag der Einvernahme keine Rede von einer Vergewaltigung, am zweiten Tag aber schon?

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Auch die Staatsanwältin hatte gegen den Freispruch keine Einwände. Damit ist das Urteil rechtskräftig.


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