Comebacks, Höhenflüge und Hoffnung: Weltcup-Winter auf Betriebs-Temperatur

Nach den ersten Weltcup-Stationen nimmt der Olympia-Winter im Skizirkus von Übersee bis Skandinavien immer mehr Fahrt auf. Es ist auch für die Tiroler Starter ein Spiel mit den Kräften.

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🎿 Ager wie Schmidhofer auf dem Weg zurück

Mit Freude beantwortete Christina Ager gestern die Frage nach ihrem Sommer. „Es war voll lässig, weil ich endlich wieder gesund war. Ich bin wieder körperlich fit“, sagte die Tiroler Skirennläuferin vor dem heutigen ersten Training für die Abfahrt in Lak­e Louise (CDN). Das ist für die Jugend-Olympiasiegerin keineswegs selbstverständlich: Im März 2019 erlitt Ager einen Kreuzbandriss, im November desselben Jahres folgte eine weitere komplizierte Knieverletzung.

Nach mehr als einem Jahr Pause kehrte die 26-jährige Söllerin Ende 2020 zurück, nun will die frühere Technikerin endlich wieder in Super-G und Abfahrt durchstarten. Ager: „Ich bin im Speed angekommen, nach den zwei Verletzungen hintereinander war es auch ein­e Kopfsache. Ich habe die Zeit gebraucht, jetzt bin ich fit.“ Das muss sie morgen in einer internen Qualifikation im zweiten Abfahrts-Training aber erst beweisen.

Mit Nicole Schmidhofer fiebert indes die Ende 2020 so schwer gestürzte Ex-Weltmeisterin einem (Sensations-)Comeback entgegen. „Ich habe mit den Erfolgen, die ich hier in den vergangenen Jahren feiern durfte, schöne Erinnerungen an Lake Louise. Ich werde erst am Donnerstag entscheiden, ob es Sinn macht, an den Start zu gehen“, erklärt die 32-jährige Steirerin nach dem Training in Coppe­r Mountain. (rost)

Nach zwei schweren Knieverletzungen im Jahr 2019 blickt die Söllerin Christina Ager auf einen verletzungsfreien Sommer zurück.
© gepa

🎿 Vier Rennen, vier Chancen auf der „Birds of Prey“

So weit und vor allem beschwerlich war der Weg von Lake Louise nach Beaver Creek für die schnellsten Ski-Herren der Welt noch nie. Nach zwei Renn-Absagen in Kanada drohten neun falsche Corona-Tests den gesamten Skibetrieb lahmzulegen. Der Ärger war groß, die Weiterreise samt der Restriktionen (PCR-Test, Impfung) ohnedies schon schwierig genug.

Zudem wurde das Programm noch einmal umgekrempelt und um eines der abgesagten Rennen erweitert: Am Donnerstag und Freitag stehen jeweils ein Super-G, am Samstag und Sonntag je eine Abfahrt am Plan (alle live TT.com). Macht also vier Rennen in ebenso vielen Tagen – und nachdem das für Dienstag geplante Training schon abgesagt wurde, bleibt am Mittwoch de facto nur ein (notwendiger) Testlauf für die Abfahrt. Und auch hier ist die Wetterprognose durchwachsen.

Dabei flogen die ÖSV-Asse gestern von Calgary mit breiter Brust in Richtung der berüchtigten Raubvogel-Piste („Birds of Prey“) von Colorado. Der Kärntner Matthias Mayer hatte das einzige von drei Rennen vor seinem oberösterreichischen Landsmann Vincent Kriechmayr gewonnen. Nun hat die bei der WM 2015 hier so erfolgreiche ÖSV-Equipe (fünfmal Gold) gleich vier Chancen, um nachzulegen. Mit dabei ist mit dem für den DSV startenden Hochfilzner Romed Baumann auch ein Tiroler. Der 35-Jährige war zwar noch nie ein großer Spezialist für Beaver Creek, reist aber mit einem sechsten Platz von Lake Louise selbstbewusst an. (rost)

Der für den deutschen Skiverband startende Tiroler Romed Baumann will auf der Raubvogelpiste von Beaver Creek aufzeigen.
© AFP

🦅 Fettner punktet mit Konstanz

„Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss“ lautet ein Sprichwort und trifft irgendwie genau auf die Karriere von ÖSV-Skispringer Manuel Fettner zu. Der 36-jährige Innsbrucker kann auf (Team-)WM-Medaillen – Gold mit Einski-Landung in Val di Fiemme 2013 und Bronze in Lahti 2017 – verweisen, wartet aber bei drei Einzel-Podestplätzen noch immer auf seinen ersten Weltcupsieg. Wenn es um die Qualifikation für Großereignisse geht, war der „Pfeifdirnix“ im ÖSV-Team meistens zur Stelle. So löste „Fetti“ mit Platz acht in Rasnov ein Last-Minute-Ticket für die WM 2021 in Oberstdorf.

Bei den ersten beiden Weltcup-Stationen in der Olympia-Saison ließ Fettner mit konstanten Leistungen aufhorchen und landete in allen vier Bewerben in den Punkte­rängen, am Sonntag in Ruka sogar in den Top Ten. „Ich bin richtig zufrieden“, lautet sein Kurz-Fazit.

Fettner musste sich seinen Platz im Weltcup-Team von Coach Andreas Widhölzl erst über den Continentalcup erarbeiten. Weiter geht es kommendes Wochenende in Wisla (POL): „Ich glaube, dass noch einiges drin ist“, sagte Fettner, der nicht nur aufgrund seiner Körper-Tattoos herausstechen will. (ben)

Der Innsbrucker Manuel Fettner kämpfte sich über den Continentalcup zurück ins ÖSV-Team, in Ruka schaute Platz acht heraus.
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🎯 „Im Biathlon ist es ein ständiges Auf und Ab“

Die Freude über Platz zwei über 15 km überwog bei Tirols Biathlon-Weltmeisterin Lisa Hauser bei Weitem den Ärger über Platz 21 im Sprint in Östersund. „Es war ein cooler Start, zumal ich mir einen Top-15-Platz zum Ziel gesetzt habe. Ein 21. Platz schaut nicht allzu toll aus, ist bei zwei Fehlern im Schießen aber okay. Im Biathlon ist es ein ständiges Auf und Ab, da darf ich mich nicht beschweren“, spielte die 27-jährige Kitzbühelerin auch auf ein Starterfeld von 117 Teilnehmerinnen aus ca. 30 Nationen an.

Die Schussleistung – „ich habe von 30 Wettkampfschüssen 27-mal getroffen“ – könne man stehen lassen, läuferisch „nehme ich es hin, dass ich noch nicht die Überform habe“. Zumal das Highlight (Olympia) im Februar steigt und man seine Kräfte bei über 30 Wettkämpfen auch einteilen müsse: „Ich will schon konstant Leistung bringen. Ob ich mir im Jänner einmal eine Pause nehme, entscheide ich kurzfristig. Grundsätzlich will ich so viel wie möglich laufen.“

Der Milser Felix Leitner landete zum Auftakt in Schweden auf den Plätzen 20 und 27: „Mit dem ersten Rennen bin ich voll zufrieden.“ Sein Saison-Ausblick: „Ich will läuferisch den nächsten Schritt machen und regelmäßiger in den Top 15 landen.“ (lex)

Hat ihr Visier am Schießstand schon gut eingestellt – Tirols Biathlon-Weltmeisterin Lisa Hauser war mit dem Auftakt zufrieden.
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