Intensivstationen in Innsbruck und Hall stoßen an ihre Grenzen

Das Ende des planbaren Betriebs sei aufgrund der Zahl der Corona-Intensivpatienten erreicht worden, erklärte Klinik-Sprecher Schwamberger. Ab sofort könne für Patienten abseits von Notfällen keine Garantie mehr für eine Behandlung gegeben werden. Auch in Osttirol ist die Situation schwierig.

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38 Corona-Patienten benötigten in Innsbruck mit Stand Dienstagfrüh intensivmedizinische Betreuung. Das ist ein Höchstwert – mehr waren es noch nie.
© JOHANN GRODER

Innsbruck – Die Innsbrucker Klinik und das Krankenhaus Hall stoßen an ihre Grenzen. Am Dienstag habe man das Ende des planbaren Betriebs erreicht, warnte der Sprecher der tirol Kliniken, Johannes Schwamberger. Das sei "noch keine Katastrophe", Leistungseinschränkungen würden aber jetzt drastisch zunehmen. Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP) zeigte sich indes bei einer Pressekonferenz am Dienstag "überzeugt, dass wir gut durch diese vierte Welle kommen werden".

📽️ Video | Klinik am Ende des planbaren Betriebs

Am Montag habe man die Stufe sieben von sieben auf der internen Skala erreicht, berichtete Schwamberger. Am Dienstag sei diese "aufgefüllt" worden. 38 Corona-Patienten benötigten in Innsbruck mit Stand Dienstagfrüh intensivmedizinische Betreuung. Das ist ein Höchstwert – mehr waren es noch nie. Die Klinik wie auch das Krankenhaus Hall mit sechs Intensivpatienten gehen damit endgültig in den Krisenmodus. Tirolweit waren 66 Covid-Patienten auf einer Intensivstation, um vier mehr als am Vortag. Der bisherige Höchstwert in Tirol wurde vergangenen Dezember mit 81 Corona-Intensivpatienten erreicht.

„Jede Maßnahme geht auf Kosten von Nicht-Covid-Patienten“

Bisher sei der Ablauf "völlig planbar" gewesen, nun müsse man sich laufend um weitere Intensivmöglichkeiten umschauen, erklärte Schwamberger. Für Dienstag konnte man vier weitere Intensivbetten aktivieren. Sollte die Zahl der schwerst an Covid-19 Erkrankten weiter steigen, würden vermehrt Aufwachräume zu Intensivstationen umfunktioniert. "Jede Maßnahme geht natürlich auf Kosten von Nicht-Covid-Patienten", betonte Schwamberger. Die Versorgung der Bevölkerung könne – abgesehen von Notfällen – nicht mehr sichergestellt werden.

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Ab sofort könne für Patienten abseits von Notfällen keine Garantie mehr für eine Behandlung gegeben werden: "Wer auf eine Operation wartet, etwa eine Knie- oder Hüft-OP, der muss warten. Wir haben keine Betten mehr für eine Nachversorgung", warnte Schwamberger.

Auch das ohnehin schon über die Maßen belastete Pflegepersonal sei darüber informiert, es werde im Falle noch mehr Patienten betreuen müssen, berichtete Schwamberger. "Der Knackpunkt ist das Personal", sagte er. Der Personalstand bleibe ja gleich, das mache die Situation "nicht gerade einfacher".

Situation auch in Lienz schwierig

Auch aus dem Bezirkskrankenhaus Lienz wurde am Dienstag berichtet, dass Elektiveingriffe zum Teil verschoben werden müssen, "die Akut- und Notfallversorgung ist aber sichergestellt", sagten der stellvertretende Ärztliche Direktor, Andreas Mayr, und Martin Schmidt, Ärztlicher Direktor und Leiter der Krisenstabes. In Lienz ist die Sieben-Tages-Inzidenz laut AGES tirolweit mit 1586 am höchsten, für Gesamttirol beträgt der Wert 1125.

In Osttirol wurden am Dienstag 30 Corona-Patienten auf der Normalstation und fünf Personen auf der Intensivstation betreut. "Zeitweise sind alle Covid-Intensivbetten belegt, zeitweise verfügen wir über ein freies Bett", berichteten die Direktoren. Internistische Intensivbetten mussten "von Anfang an" umfunktioniert werden. "Fast ausnahmslos" müssen auf Intensivstationen ungeimpfte Menschen behandelt werden.

Das Personal auf den betroffenen Stationen sei "in einem außerordentlich hohen Maß gefordert und arbeitet an den Grenzen seiner Belastbarkeit", schilderten die beiden Ärzte. Einige erlitten bereits ein Burn-out. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, "wird unsere Kapazitätsgrenze überschritten und dann müssen wir Covid-PatientInnen verlegen", so Mayr und Schmidt. "Aufgrund unserer besonderen geografischen Lage ist dies in jedem Fall eine besondere Hausforderung", sagten sie.

Platter und Leja besuchten Intensivstation

Landeshauptmann Günther Platter und Gesundheitslandesrätin Leja (beide ÖVP) besuchten am Montag eine Intensivstation. "Die Situation auf den Tiroler Intensivstationen ist durchaus ernst, die Kapazitäten sind knapp", kommentierte die Gesundheitslandesrätin die aktuelle Lage, zeigte sich aber nichtsdestotrotz zuversichtlich. So gebe es etwa "eine gute Abstimmung unter den Intensivmedizinern".

"Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich möchte nicht auf der Intensivstation landen", meinte Landeshauptmann Platter nach dem Besuch in der Innsbrucker Klinik. Er richtete abermals einen dringenden Impfappell an die Bevölkerung. (TT.com, APA)


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