30 Femizide in diesem Jahr: „Frauen in Österreich leben sehr gefährlich“

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Elisabeth Lehmann, GF Frauenberatungsstelle „Evita“, zeigt TT-Redakteurin Jasmine Hrdina (l.) die Geste, mit der Frauen still um Hilfe rufen.
© Böhm

Innsbruck – 30 Frauenmorde allein in diesem Jahr: Damit nimmt Österreich erneut eine traurige Spitzenposition in Europa ein. Das Thema Gewalt an Frauen ist komplex, wie Elisabeth Lehmann, Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle „Evita“, gestern bei „Tirol Live“ erklärte.

Oft würde nur körperliche Gewalt gegen Frauen als solche wahrgenommen, „obwohl psychische Gewalt noch viel häufiger vorkommt. Es ist wichtig, dass Frauen diese erkennen und auch als Gewalt einordnen“, sagt Lehmann. Psychische Gewalt habe viele Formen: von sozialer Isolation über Erniedrigung und Beschimpfung bis hin zu Einschüchterung und Drohung.

📽️ Video | Elisabeth Lehmann in „Tirol Live“

Dabei betrifft das Problem die gesamte Gesellschaft: Sowohl Täter als auch Opfer seien in allen sozialen Schichten und Bildungsgraden vertreten. Üblicherweise seien es jedoch Beziehungstaten. Dass die Opfer ihren Partner nicht einfach verlassen, habe zahlreiche Gründe: „Frauen können nach Jahren der Misshandlung nur noch schwer eigene Entscheidungen treffen. Darunter fällt auch die gravierende Entscheidung zu gehen“, schildert die studierte Pädagogin. Der Wunsch nach einer heilen Familie, finanzielle Abhängigkeit und die Angst vor sozialer Beschämung täten ihr Übriges.

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Die bestehenden Angebote, um Frauen in Österreich vor Gewalt zu schützen, seien wichtig und richtig. Lehmanns Initiative „Evita“ etwa berät Frauen im Unterland bei häuslicher Gewalt, auf vielen Kassenbons in Innsbruck findet sich seit Kurzem die Nummer der Frauenhotline und an der Klinik Innsbruck können Gewaltopfer inzwischen nach „Dr. Viola“ verlangen – ein Codewort, das sofort Hilfe organisiert. Aber: Gerade bei der Prävention gebe es Nachholbedarf. Denn „ein Frauenmord kommt nicht aus heiterem Himmel. Frauen erleben oft eine lange Geschichte der Gewalt. Er ist der traurige Schlusspunkt.“

Lehmann fordert darüber hinaus mehr Zivilcourage ein. Es brauche tirol- und österreichweite Kampagnen, die die Gesellschaft informieren. „Uns allen muss klar sein, dass es keine Toleranz gegenüber Gewalt gibt.“ (mac)

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