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Keine Aufführungen, kaum Konzerte: Österreichs Musikverlage schlagen Alarm

Die Corona-Krise hat Bühnen- und Musikverlage hart getroffen. Sie fordern nun eine eigene Verlagsförderung.

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Musikverlage stellen die Noten für Proben und Aufführungen zur Verfügung. Seit Beginn der Corona-Krise ist ihre Situation „dramatisch“.
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Von Joachim Leitner

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Innsbruck, Wien – Die Arbeit von Musik- und Bühnenverlagen findet zumeist abseits des Rampenlichts statt. Sie stellen die Arbeitsunterlagen für das her, was in Theatern und Konzerthäusern stattfindet: Partituren und Textbücher, die verliehen oder verkauft werden. Sie verwalten Urheberrechte, vergeben Aufführungslizenzen; sie werben um Aufmerksamkeit für neue Werke und pflegen das Erbe großer Meister. Das breite Publikum bekommt von dieser Arbeit wenig mit. Und die heimische Kulturpolitik scheint mit den aktuellen Sorgen der gerade in Österreich traditionsreichen Unternehmen zu fremdeln.

Corona hat die Branche massiv getroffen. Das, was im Verlagsgeschäft die „Großen Rechte“ genannt wird, also Lizenzen für Bühnenwerke, sei seit März 2020 zu großen Teilen weggebrochen, sagt Astrid Koblanck, Vorstand der Wiener Universal Edition. Aber auch der Konzertbetrieb stand monatelang so gut wie still. „Während der Lockdowns fand bis auf einige digitale Formate nichts statt – und zwischen den Lockdowns viel weniger als vor der Pandemie“, sagt Koblanck. Auch die Musikalienhandlungen und Musikschulen waren lange geschlossen, Chöre, Kapellen und Orchester – egal ob Profis oder Amateure – konnten kaum proben, geschweige denn auftreten. Je nach Bereich wurden Umsatzrückgänge von 40 bis 90 Prozent verzeichnet, erklärt Koblanck. Die Musikverleger Union Österreich und der Verband der Bühnenverleger Österreichs rechnen für die Jahre 2020 bis 2023 mit Umsatzverlusten von rund 28 Millionen Euro. Sie neige nicht zum Dramatisieren, sagt Koblanck, „aber die Situation ist dramatisch“.

Zumal ein Ende der Krise nicht in Sicht ist – und die von der Regierung in Aussicht gestellten Hilfsmaßnahmen nur bedingt greifen. Kurzarbeit und Fixkostenzuschüsse hätten die Einbußen kaum abfedern können, so Astrid Koblanck. „Dadurch gelang es nur, zu verhindern, dass Unternehmen in die Insolvenz rutschten. Unseren verlegerischen Kernaufgaben und unseren Verpflichtungen den Autorinnen und Autoren gegenüber können wir trotzdem kaum noch nachkommen“, sagt sie. Notwendige Projekte, die die Verlage zukunftssicherer machen sollen, etwa die Digitalisierung der Bestände, seien aktuell nicht mehr finanzierbar. In einigen Unternehmen habe es bereits personelle Maßnahmen gegeben, so Koblanck. Sie befürchtet, dass sich die Lage auch nach dem aktuellen Lockdown nur langsam ändern wird. „Machen wir uns nichts vor“, sagt sie, „es wird für lange Zeit weniger Veranstaltungen geben.“ Auch deshalb sei ein Mindestmaß an Planungssicherheit notwendig, unterstreicht die Verlegerin – und stellt klar: „Die Wirtschaftshilfen müssen weiterlaufen, sonst überleben wir die nächsten Jahre nicht.“

Anders als für Buchverlage gibt es für Bühnen- und Musikverlage keine staatliche Verlagsförderung. Bislang habe es die auch nicht gebraucht, sagt Koblanck. Nun müsse der Bund in Person von Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) aber aktiv werden. „Wir bemühen uns seit Langem um einen Termin bei ihr. Bislang ohne Erfolg. Es ist uns noch nicht gelungen, klar zu kommunizieren, welchen Beitrag wir zu Österreichs kultureller Identität leisten“, sagt sie. Um die Situation der Musik- und Bühnenverlage abzusichern, seien Subventionen von fünf Mio. Euro im Jahr notwendig. Die staatliche Subvention für Buchverlage wurde zuletzt Pandemie-bedingt auf drei Mio. Euro jährlich erhöht.

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