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Italienische Regisseurin Lina Wertmüller starb im Alter von 93 Jahren

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Lina Wertmüller war als erste Frau für den Regieoscar nominiert.
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Rom – Ihre Filme sind so eigenwillig wie deren selbstbewusst barocke Titel – denen deutschsprachige Verleiher allzu oft Gewalt antaten: „Travolti da un insolito destino nell’azzurro mare d’agosto“ wurde mit „Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal im azurblauen Meer im August“ noch akkurat übersetzt, von „La fine del mondo nel nostro solito letto in una notte piena di pioggia“ blieb nur „In einer Regennacht“ und „Fatto di sangue fra due uomini per causa di una vedova. Si sospettano moventi politici“ kam hierzulande als simple „Blutfehde“ in die Kinos. Das war 1978 zum Ende von Lina Wertmüllers produktivstem Jahrzehnt, das ihr 1975 für „Pasqualino Settebellezze“ – als erster Frau überhaupt – eine Oscarnominierung für die beste Regie einbrachte. Auch für Drehbuch und besten nicht-englischsprachigen Film war die Groteske mit Giancarlo Giannini nominiert.

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Wertmüllers Filme waren politisch und burlesk zugleich. Sie behandelte Technikgläubigkeit und Terror, Sehnsucht und Sex, erzählte von den Sorgen des Südens und dem biederen Bürgertum des italienischen Nordens, persiflierte die linke Prinzipientreue und den Pragmatismus der Rechten. Manchmal krachte es gewaltig, manchmal – in ihrem wunderbaren Spätwerk „Io speriamo che me la cavo“ (1992) zum Beispiel – schlug sie leise Töne an. In den 1960er-Jahren assistierte Lina Wertmüller Federico Fellini bei „Achteinhalb“, drehte als Nathan Witch einen ziemlich seltsamen Spaghettiwestern und gleich mehrere Revuefilme mit Rita Pavone. 2020 erhielt sie den Oscar für ihr Lebenswerk. Gestern ist Lina Wertmüller im Alter von 93 Jahren in Rom gestorben. (jole)

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