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50 Jahre Ärzte ohne Grenzen: Wirklich zu feiern gibt es nichts

Wir werden künftig öfters über Krisen reden müssen – nicht nur wegen des Klimawandels, schreibt Laura Leyser von Ärzte ohne Grenzen im "Brief an Tirol".

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Von Laura Leyser

Als Organisation haben wir uns die Frage gestellt, ob es ein Grund zu feiern ist, dass wir den 50. Gründungstag begehen. Auf der einen Seite gibt es vieles, worauf wir stolz sein können. Im letzten Jahr waren wir in über 80 Ländern im Einsatz. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig medizinische Nothilfe in Ländern ist, in denen die Gesundheitsversorgung unzureichend ist. In den 50 Jahren seit unserer Gründung hat sich die Welt – und mit ihr auch Ärzte ohne Grenzen – stark verändert.

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Bis heute gilt: Wenn wir die Nachrichten verfolgen, fällt es uns – leider – nicht schwer, überzeugende Beispiele zu finden, warum unsere Arbeit immer noch relevant und wichtig ist. Aktuell etwa im Südsudan, wo über 700.000 Menschen von massiven Überschwemmungen betroffen sind, oder in Afghanistan, wo unsere Teams auch während der Machtübernahme der Taliban durchgehend in fünf Regionen im Land im Einsatz waren und nach wie vor sind. Gerade hier ist unabhängige, unparteiische und neutrale humanitäre Hilfe, wie wir sie leisten, essenziell.

Aber auch wenn es einfacher wäre, sich an die Höhepunkte der letzten Jahre zu erinnern, möchte ich lieber die Chance nutzen, in die Zukunft zu schauen. Und darauf, wo Ärzte ohne Grenzen noch besser werden muss. Als medizinische Organisation hoffe und erwarte ich für die nächsten 50 Jahre, dass wir weiterhin die neuesten medizinischen Technologien und Innovationen in unsere Arbeit integrieren. Mit der voranschreitenden Digitalisierung sehe ich große Chancen für uns. Dort, wo jetzt medizinische Expertise nicht leicht zu finden ist, könnten wir etwa via Telemedizin oder Videoschaltungen qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung anbieten.

Vor große Herausforderungen werden uns auch die Auswirkungen des Klimawandels stellen. Als Organisation hinterfragen wir nicht nur unseren eigenen ökologischen Fußabdruck, sondern werden auch auf die Konsequenzen einer sich verschlechternden planetaren Gesundheit reagieren müssen. Denn diese hat direkte Auswirkungen auf die Menschen. Wir sind keine Klimaexpert:innen – aber nachdem wir seit Jahren beobachten, wie der Klimawandel die gesundheitlichen und humanitären Krisen in den verschiedenen Kontexten, in denen wir tätig sind, verschlimmert, müssen wir künftig mehr darüber sprechen und unsere Hilfe anpassen.

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Und ein weiteres Thema wird uns ebenfalls noch viel stärker als bisher beschäftigen: Heute sind die fünf Einsatzzentralen von Ärzte ohne Grenzen in Europa angesiedelt. Das ist historisch so gewachsen. Ein sechstes ist kürzlich in Dakar und Abidjan eingerichtet worden. Wir werden weiter die Bedeutung von Diversität und Inklusion sicherstellen und weiter dafür Sorge tragen, dass die besten Kolleg:innen unsere Entscheidungsträger:innen sind – unabhängig aus welchem Land sie kommen oder welche ethnische Zugehörigkeit sie haben. Wir werden weiter von einer „westlich“ geprägten zu einer wahrlich globalen, diversen Organisation wachsen.

Laura Leyser ist Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen Österreich


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