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Was für ein WM-Finale! Verstappen schnappt sich Titel in letzter Runde

Max Verstappen hat zum ersten Mal den Fahrertitel in der Formel 1 geholt und Rekordweltmeister Lewis Hamilton entthront. Der 24 Jahre alte Niederländer machte seinen Triumph im Red Bull durch einen dramatischen Sieg beim Saisonfinale in Abu Dhabi perfekt. Nach dem Rennen beeinspruchte Mercedes den Rennausgang.

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Erlösender Jubel: Weltmeister Max Verstappen wird auf den Schultern seiner Team-Crew getragen.
© FLORENT GOODEN via www.imago-images.de

Abu Dhabi - Auf den letzten Metern des letzten Rennens einer verrückten Saison hat sich Max Verstappen erstmals zum Formel-1-Weltmeister gemacht. Der Red-Bull-Pilot gewann am Sonntag in Abu Dhabi nach einem umstrittenen Finish vor Lewis Hamilton, den er aber erst in der letzten Runde überholte und sich damit doch noch den schon verloren geglaubten Titel sicherte. Verstappen wäre der erste Red-Bull-Champion seit 2013. Mercedes blieb nur der Konstrukteurs-Titel.

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"Wäre" deshalb, weil Ergebnis und WM-Entscheidung wegen zwei letztlich abgelehnten Einsprüchen von Mercedes nach dem kontroversiellen Renn-Ende zwar vier Stunden nach Rennende offiziell waren. Mercedes überlegt aber, gegen ein ablehnendes Urteil weiter vorzugehen.

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Hamilton hatte Pole-Mann Verstappen schon am Start überholt und führte trotz mehrerer Rückschläge bis kurz vor Schluss souverän, was den achten Titel für den Briten bedeutet hätte. Dann aber löste der Unfall des Williams-Piloten Nicholas Latifi eine Safety-Car-Phase aus, die letztlich alles auf den Kopf stellte und das Blatt doch noch zugunsten Verstappens wendete. Der Niederländer überholte dank frischer Reifen Hamilton in der letzten Runde und gewann.

Der Mercedes-Protest gegen ein unerlaubtes Überholmanöver von Verstappen vor dem Restart zur letzten Runde wurde von den Stewards an der Rennstrecke zwar ebenso abgelehnt wie die Beeinspruchung des Rennausganges wegen Verletzung eines Protokolls zum Safety Car. Ob man gegen das zweite Urteil der Renn-Stewards nun aber an höherer Stelle vorgehen werde, würde überlegt werden, hieß es von Mercedes noch Sonntagnacht. Die Absicht wurde jedenfalls deponiert, die Unsicherheit blieb damit.

Woran sich Mercedes stößt? Rennleiter Michael Masi hatte in der entscheidenden Safety-Car-Phase fünf überrundeten Fahrern trotz zunächst gegenteiliger Ankündigung das Überholen erlaubt, womit Verstappen plötzlich wieder direkt hinter Hamilton war. Sonst hätte der Niederländer in der letzten Runde zuerst diese fünf Fahrzeuge überholen müssen, um an Hamilton heranzukommen.

Das 22. und letzte Saisonrennen war aufgrund der Punktgleichheit von Verstappen und Hamilton unter besonderen Vorzeichen gestanden und brachte letztlich ein völlig verrücktes Herzschlagfinish mit umstrittenen Entscheidungen. Die erste vermeintliche Vorentscheidung in diesem Jahrhundert-Rennen zugunsten Hamiltons kam schon am Beginn. Denn Pole-Mann Verstappen verschlief den Start. Hamilton hingegen ging dank starker Reaktionszeit in Führung, obwohl er die härteren Reifen am Auto hatte. Verstappen konterte in Kurve sechs mit einem grenzwertigen Kart-Manöver und drängte sich innen hinein, beide Autos berührten sich leicht.

Hamilton blieb nur die Möglichkeit, mittels Notausgang auszuweichen, um eine Kollision zu vermeiden. Danach flogen zwar die Funksprüche hin und her, die Stewards fanden aber keinen Grund für eine Untersuchung und die dementsprechende Entscheidung von Masi kam rasch und klar. Hamilton ließ sich zwar etwas zurückfallen, aber nur bis der alte Vorsprung wieder hergestellt war. Ein Positionswechsel war nicht notwendig.

"Unglaublich" ärgerte sich Verstappen darüber am Funk. Der Niederländer wurde von der Box aber angewiesen, kühlen Kopf zu bewahren. Teamchef Christian Horner monierte, dass in solchen Situationen immer wieder anders entschieden werde. Die Formel-1-Teams hatten zur großen WM-Entscheidung sogar Star-Anwälte mitgebracht, um für solche kritische Situationen gewappnet zu sein.

Für den nächsten Schlüsselmoment im Rennen, vor dem man den (später ausgeschiedenen) finnischen Kult-Piloten Kimi Räikkönen auf der Startaufstellung in die Formel-1-Pension verabschiedet hatte, sorgten dann die Reifen. Hamilton machte vorne mit Rekordrunden weiter Druck, um Verstappens Reifenverschleiß zu provozieren.

Prompt musste der zweitplatzierte Niederländer bei schon fünf Sekunden Rückstand in der 14. von 58 Runden an die Box. Hamilton ging eine Runde später ebenfalls auf harte Pneus. Bei Verstappens Teamkollegen Sergio Perez wurde hingegen Plan B ausgerufen mit dem offensichtlichen Ziel, Hamilton aufzuhalten.

Rundenlang bekämpfte der Mexikaner mit abgefahrenen Reifen am zweiten Red Bull dann Hamilton. Der Brite verlor dabei über sechs Sekunden, und als er endlich an Perez vorbei gekommen war, hatte Verstappen aufgeschlossen. Trotzdem baute Hamilton danach seinen Vorsprung erneut sukzessive aus und war zur Renn-Halbzeit mit vier Sekunden Vorsprung auf Verstappen weiterhin virtuell Weltmeister. Zu diesem Zeitpunkt war das Rennen längst zu einem reinen Zweikampf geworden.

Dann rollte in der 36. Runde Antonio Giovinazzis Alfa mit Getriebeschaden aus. Hamilton blieb trotz virtuellem Safety Car draußen, Verstappen riskierte und ging nochmals auf neue Reifen. Damit ging Hamilton zwar mit 17 Sekunden Vorsprung, aber abgefahrenen Reifen in die letzten 20 Runden. "Es war ein wenig riskant, mich draußen zu lassen", zeigte sich der Brite zunächst irritiert.

Es schien aber zunächst doch die richtige Entscheidung im alles entscheidenden Rennen gewesen zu sein. Zwar knabberte Verstappen erfolgreich am Rückstand, zehn Runden vor Schluss lag der Engländer nur noch 12 Sekunden voran. Dann ließen aber auch die Reifen von Verstappen nach, Hamilton kontrollierte das Rennen problemlos.

Die letztlich entscheidende Wende brachte der Unfall von Latifi fünf Runden vor Ende. Das Safety Car kam auf die Strecke, Verstappen fuhr sofort nochmals an die Box und fasste superweiche Pneus aus, Hamilton blieb wieder draußen. Man baute bei den "Sternen" darauf, dass das Rennen nicht mehr frei gegeben werden würde. Dann schmiss Masi seine Entscheidung aber um und gab eineinhalb Runden vor Schluss das Rennen wieder frei. "Das ist nicht in Ordnung!", ärgerte sich Mercedes-Teamchef Wolff. Verstappen hingegen packte die Jahrhundert-Chance beim Schopf, überholte Hamilton dank frischer Reifen und wurde doch noch erstmals Weltmeister.

"Oh mein Gott", funkte der fassungslose Niederländer noch im Auto. "Es musste ein Wunder passieren, damit dieser Titel kommt. Davon habe seit meiner Kindheit geträumt."

Bei Mercedes war man hingegen zunächst "sprachlos". "Ich gratuliere Max und dem Team. Sie haben einen super Job gemacht", meinte Hamilton: "Das war die schwierigste Saison aller Zeiten, wir haben niemals aufgegeben. Nächstes Jahr bin ich wieder da."

Weltmeister-Macher Helmut Marko durfte am Ende vom Podium Österreichs Bundeshymne hören. "Gott sei Dank hat man am Ende das Reglement herangezogen", hielt der Steirer die Masi-Entscheidung natürlich für richtig. Die Erleichterung sei riesengroß. "Wir haben realistisch nicht mehr damit gerechnet. Aber Mercedes hat gleich zwei Safety-Car-Phasen verschlafen, das hat es uns erleichtert. Ende gut, alles gut. Heute kommt keiner früh ins Bett." (APA)

🏎📊 Ergebnisse und Ticker-Nachlese zum Formel-1-Finale in Abu Dhabi:


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